Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1858)
- Date
- 1858-06-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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tSS Ueber den Begriff der „Nächstenliebe " und deren unser Ebenbild, weil GotteS Ebenbild, zu nennen sei, ist daher grundfalsch und wir müssen sie entschieden abweisen. Wir werden veiter unten zeigen, worin der Jrrthum jenes religionsphilosophischen Denkers bestand, und wollen wir hier nur soviel erwähnen, daß (NZQ irniön) in seiner Berufung auf das V er« hältniß zu Gott die kräftigste Widerlegung seiner irrigen Erklärung liegt. Denn wie traurig wäre es für den Menschen, wie traurig für Israel, wenn der Sünder und von Gott sich abwendende Mann aus der Liebe Gottes gefallen wäre! Das ist so wenig der Fall, als ein Bater sein Kind zu lieben aufhört, wenn dieses auch noch so verderbt wäre. — Ebenso hört der Sünder nicht auf, und wenn er noch so tief gesunken ist, einen Keim der Ebenbildlichkeit Gottes in sich zu tragen; aus diesem Verhältnis tritt er nie heraus — sonst wäre er ja vogelfrei erklärt — sein Mord wäre erlaubt — denn nur auf den Stempel Gottes hin — O^L — den er an sich trägt, ist seine Person unantastbar. Ja, selbst der, auf Richterfpruch Berurtheilte und Hingerichtete verliert nicht die Eben bildlichkeit GotteS, denn damit erklärt der Talmud das betr. Gesetz i^n O'T^d« '2 — in dem Gleichnisse vom den zwei Brüdern (Lankeärin 46, 2.); sowie wir weiter unten aus einem anderen Zeugnisse des Talmud's sehen werden, daß jener aus dem Bunde der Nächstenliebe keineswegs gefallen sei. — Wer also wollte den Ausspruch des unterschreiben, daß der Sünder aufhöre „Mensch" zu sein? Bleibt er aber Mensch, bleibt er ein Kind Gottes, ist er aus dem Bunde seiner Liebe nicht gefallen, so darf er auch aus dem Bunde unserer Liebe nicht fallen. Bleibt er Gottes Kind — und wer wollte sich erkühnen, das Gegentheil zu behaupten? — so bleibt er unser Bruder, wenn auch ein ausgearteter. — Wer aber wieder wollte es billigen, ja, sogar lehren, daß gegen eines unserer Geschwister, weil es uns und die Familie tief gekränkt, alle geschwisterliche Siebe ersterben sollte, und „es eine religiöse Pflicht wäre, uns ihm zu entfremden?" — Also, hinweg damit! — So ist das, allerdings einer Erklärung bedürfende Gottesgebot der „Nächstenliebe" nimmer zu verstehen!