Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 9 (September 1858)
- Date
- 1858-09-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3129675-3129754-3129761--2551-3131113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
RattschaN »St ßr die vir lebhaft ewpfivdeu- Zumal eine jede Frucht des freien gelstigen Lebens darf auf die vollste Sympathie des JudenthumS rechnen; La der geistigeir Freiheit wurzelt sein Wesen, in ihr hat es den einzigen) aber mächtigen Bundesgenossen gegen die Rohheit der auf die llebermacht trotzenden Willkür. Die Universität Jena ist eine That geistiger Freiheit, denn sie ist im ik. Jahrhunderb in Tagen der .Roth aus dem Gedanke?, daß die fteie Wissenschaft eine Zufluchtsstätte an ihr finden solle, hervorgegangen und ist unter den mühseligsten Kämpfen erstarkt, als die geistige Knechtschaft siegreich die fleischlichen Waffen führte, einzig «!d allein, weil der Geist doch mächtiger ist als alle künstliche Coalition uud Diplomatie. Sie ist die Mitschöpferiu der neuen geistigen Freiheit. Sie war es, an der im vorigen Jahrhunderte alle edlen Geister des deutschenVoltcs das Wort der Lehre weithin erschallen ließen, die neue wissenschaftliche Blüthe entfalteten, wahre Religion, weil wahre Humanität lehrten- Sie ist die Bewahrerin der geistigen Freiheit geblieben auch in der Gegenwart. Als nun Scholastik die Begriffe verdrehen, auch die geistige Freiheit zu Banden der Knechtschaft umgestalten wollte, als die Reacrion in allen Gebieten und namentlich auch in Philosophie und Theologie keck uud schamlos ihr Haupt erhob: da war Jena emes der wenigen Asyle, in dem man ohne Scheu und ohne Zagen zur verhöhnten freien Forschung sich bekannte und den freien Gedanken liebend pflegte. Und wieder hat sie auch, diese Hochschute, treu ihren Ruhm bewährt, und ihre Feier war würdig ihrer Geschichte. Was beim fröhlichen Gelage von alten und jugendlichen Söhnen dieser Musenstadt getobt und gejubelt, was im Festgepränge von Erinnerungen, bald verblichenen bald lebenskräftigen, aufgeftilcht wurde: das ist von keinem großen Werthe, das rauscht mit den Fluthen der festlichen Tage auch meistens vorüber. Von charakteristischer, unauslöschlicher Bedeutung hingegen find die solennen Acte, in denen die Nutritoren der Hochschule, namentlich aber in denen diese selbst ihre Gesinnung aussprach. Die Ehrenbezeigungen, welche von Seiten jener ausgingen, find eine warme Anerkennung des Verdienstes, das den Muth in den letzten trüben Jahren zu bewahren wußte; die Decoration Kuno Fischers ist eine wackere Antwort auf Hengstenbergs Verdächtigungen uno Vertreibung dieses strebsamen jungen Gelehrten von dem Lehrstuhle zu Berlin. Aber die Doctorpromottönen der Universität selbst sind ein Ehrendocument, das diese ebensowohl sich wie den mit dem höchsten Ehrenausdrucke einer Universität Belehrten ausstellte. Wenn sie den vielgeschmähten Schwarz zum Or. der Theologie, wenn sie den jüdischen Naturforscher Pringsheim, der es in semem Vaterlande seines Bekenntnisses wegen nicht höher als zum Privatdoceuten bringen kann, zum vr. der Nedicin ernannt und dergleichen: so ist das eine Aeußerung und eine siegreiche That des freien deutschen Geistes, die wahrhaft erhebt. Diese Universität hat drei Jahrhunderte gelebt, sie wird noch weitere erleben. Breslau. Geiger. Eoborg,!2. Sug7 Ein heute erschienenes Gesetz hebt die Verordnung vom 3. Juni 1815 über den Handel zwischen den Juden und Christen auf. Nach dieser Verordnung hatten namentlich alle außer gerichlüch abgefaßten Urkunden über die zwischen Juden und Christen abgeschlossenen Käufe, Verkäufe und Tausche, sowie alle außer gerichtlichen Schuldverschreibungen, ausgestellt von Christen an Juden über Forderungen, welche den Letztern aus einem mit den Erster» geschlossenen Kauf-, Verkaufs- oder Tauschgeschäft, sowie auch aus einem Geldanlehen zustehen sollen, keine Beweiskraft, sondern eS mußte sich der Jude zur ge-