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Der israelitische Volkslehrer · 1858-09-01 · Heft 9 (September 1858) · page 32

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 9 (September 1858)
Date
1858-09-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Wh Rundschau. , H^' Mortärä^ ist vor käum einem Monate das Opfer einer barbarische» Vraüsämkett geivvrden." Diesem Unglücklichen wurde sein sechsjähriges Find unter dem Borwande entrissen, eine christliche Magd hatte es zwei Zahre vorher taufen lassen. Weder Bitten noch Thränen der Eltmr tonnteW^iS jetzlt die Behörden erweichen, an welche sie fich wandten, um ihren Söhn zurückzuerhalten, ja, um nur Nachricht über ihn zu betiimmen/ Die Geschichte längst vergangener Zeiten bietet freilich unM- Ächerweise zahlreiche Beispiele von ähnlichen Fällen. Aber diese Zeiten liegen hinter uns. Heut zu Tage läßt die Gesetzgebung vieler europäischer Staaten wenigstens die Freiheit zu, die grausamen Handlungen brandmarken/welche sich unwissende und fanatische Priester muten in civilifitten Landen der Religion erlauben. Wir rufen demnach die europäische Presse an, uns ihre Mitwirkung angedeihen zn lassen^ um vor der ganzen gebildeten Welt unsere Klage gegen Handlungen zu erheben, welche die elterlichen Rechte wie alle menschlichen TcfÄhle aüfS tiefste verletzen. Wir verlangen, daß das begangene Unrecht thunlichst gut gemacht, und in Landen, wo die Gesetze gegen solche Unthäten nichts vermögen, deren Rückkehr anderweitig verhindert werde. Eine solche Berufung aber kann begreiflicherweise nur von dem einzigen Staate in Italien ausgehen, wo Gewissensfreiheit auch für Nichtkatholiten durch die Staatsgesetze klar ausgesprochen und von der Regierung ernstlich gehandhabt wird. Darum erheben sämmtliche Verwaltungen der israelitischen Gemeinden in den sardinischen Staaten hiermit ein- Müthig ihre Stimme gegen die barbarische Handlung, die eben jetzt in Bologna begangen worden. Dieser Aufruf mag nun freilich du Regierung, welche solche Unthaten duldet, vielleicht gar ermuthigt, wohl vor der öffentlichen Meinung in ihrer ganzen Blöße darstellen, aber doch kein praktisches Resultat erzielen. Dem Nebel ein Ende zu machen, m Zukunft ähnliche Ereignisse zu verhindern, werden hoffentlich die israelitischen Konsistorien in Frankreich und England als eine heilige Pflicht anerkennen, ihre hohen Regierungen anzurufen. In diesen Landen, wo weise Duldsamkeit herrscht, wird, so hoffen wir, ihre Stimme nicht erfolglos verhallen, und wir werden eS der Einwirkung dieser beiden Nationen zu verdanken haben, daß es fortan den Behörden zu Rom, oder wo sonst auch, nicht gestattet sein wird, die Ordnung und de» häuslichen Frieden israelitischer Familien im Namen einer Religion zu verletzen, die verkündet wird als ruhend auf den festesten Säulen der Menschen- und Bruderliebe. Alessandria, 12. August 5853. Die israelitische Verwaltungsbehörde. (Unterzeichnet: Lelis de la Torre, Pacifico, Salomon Tegliese, M. Salvador, Salovos Torre, Ortona.^ — " Herr RabbWet vr. Zeiger zu Breslau hat in einer, in den dortigen Blättern veröffentlichten Aufforderung an die «atholike».

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