Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1858)
- Date
- 1858-02-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau Frömmigkeit genannt und gerühmt zu werden. — Es sei uns daher gestattet, unserer biedern Freundin in d. Bl. ein kleines Denkmal zu setzen und aus den uns vorliegenden herzinnigen Worten, welche unser würdiger College Herr vr. Sobernheim am 4. d. M. an deren Grabe gesprochen, folgende Stellen auszuheben: »An einem kleineu Orte von zwar wohlhabenden, aber einfach lebenden Eltern geboren (im Jahre 1797), erhielt dieselbe, fern von allem eitel« Prunke, eiue fromme, religiös-sittliche Erziehung, und so bildete die Got« tesfurcht. die reine und lautere Frömmigkeit den Grundton ihres ganzen Wesens, die Grundlage und den Mittelpunkt ihres ganzen Lebens." .Und wenn die wahre und ächte Bildung besteht in der Lauterkeit der Gesinnung, in der Reinheit und dem Gdelmuthe des Herzens, in der Biederkeit des Charakters: so hat sie solche im höchsten Grade besessen und während ihres ganzen Lebens auf die wohlthuendste Weise kund gethan. — Ihre geistigen Fähigkeiten und die Tugenden ihres Herzens traten aber erst in ihrer ganzen wohlthuenden Kraft hervor in ihrem Wirkungskreise als Gattin und Hausfrau. — Hier in diesem stillen, heiligen Kreise entfaltete fie, in ihrer einfachen, bescheidenen Art eine Fülle des Segens und sie ward der Mittelpunkt, von welchem aus Gluck und Freude, Heiterkeit und . Frohsinn nach allen Seiten hin sich verbreitete. — Denn nicht auf den engen Kreis ihrer Familie beschränkte sich ihr edles Wirken, ihre emsige, rührige und wohlthuende Thätigkeit. — Ihre Herzensgute kannte keine Schranken. — Die edle und wohlthuende Pflicht der Gastfreundschaft übte fie in der umfassendsten Weise, und fie genügte hierdurch gleichsam einem heiligen Bedürfnisse ihres von Menschenliebe und Freundlichkeit beseelten Wesens. — Die Pforten ihres HauseS waren weit geöffnet Allen, die darin eine Stätte der Nuhe, Obdach und Erquickung suchten. — Ihr ungezwungenes, heiteres Wesen, ihr frohes und freudiges Entgegenkommen erquickte Jeden, und körperlich und geistig gestärkt entfernten sich Reich und Arm aus diesen der Gastfreundschaft geheiligte» Räumen. — -Aber auf die Hülfesuchendea wartete fie nicht in ihrem Hause; ihr teilnehmendes Herz und ihre freigebige Hand erstreckte sich in weitere Kreise» und es that ihrem edlen Herfen so wohl, wann und wo fie im Stande war. Hülfe zu bringen dem Nothleidenden, die Thranen der Armuth zu trocknen^ «s gebeugtes Gemüth aufzurichten und dem Trauernden Trost zu spenden. Und so hat sie sich denn auch während der nur allzukurzen Zeit ihres biengen Lebens durch ihr liebevolles, menschenfreundliches, wohlthätigeS unv stgenbringeudes Walten und Wirken innerhalb wie außerhalb ihres HauseS die Achtung und Liebe der ganzen Stadt im höchsten Grade erworben, die 5ch bei ihrem plötzlichem Hinscheiden so allgemein und in so hohem Maße um schmerzlichen, aber doch erhebenden Tröste ihrer Hinterbliebene», in der, schönsten Weise kund gegeben." — Möge der gastliche Sinn Abrahams und oie Opferfreudigteit Isaaks, VIII. 6