Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 9 (September 1859)
- Date
- 1859-09-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die häuslichen Ceremonien des HudenthumS. 291 scher sein. In den Synagogen, welche*) später an die Stelle des zerstörten Tempels traten, ward der Cultus zwar ein Gebetcultns und die Belehrung ein integrirender Theil desselben. Jndeß blieben die Ceremonien mit ihrem symbolischen Charakter nebenbei ein bedeutendes Vehikel des religiösen Lebens, tnsonders für das Haus, dessen Tisch man nach dem Untergang des Tempels gern als einen Altar und dessen Herrn als den Priester Gottes betrachtete; ja man hauste die Ceremonien, deren Uebung ein wichtiges Moment des jüdisch religiösen Lebens wurde. Jedoch lag auch dazu die Berechtigung schon früh in den Principien des Judenthums, indem Gott durch die Vorschrift Lxoä. 22, 21: „Einen Altar von Erde sollst du mir machen," ganz schmucklos und einfach, und durch die Bestimmung des Erstgeborenen in jedem Hause zu seinem Priester, das Haus zu einer Pflanzstätte des religiösen Lebens erhob, die es für Israel zu keiner Zeit mehr gewesen, als in den Zeiten des finstern Mittelalters, wo man die Synagogen der Juden verbrannte und ihre Schulen nicht duldete, und die es auch trotz der fortgeschrittenen Erleuchtung und Aufklärung unsers Zeitalters, ja vielleicht um derselben willen, wieder werden muß. Es haben Einige mit etwas mehr geistigem Aplomb, als die, welche aus religiösem Jndifferentismus sich über die Uebung der Ceremonien hinwegsetzten, angeblich deshalb für die Beseitigung der religiösen Ceremonien geeifert, um die geistigen Ideen des Judenthums mehr in den Vordergrund treten zu lassen, die oft in Wahrheit in Folge de^ ceremoniellen Lebens durch einen geistlosen religiösen Mechanismus verdeckt wurden. Aber bei dem sonstigen Mangel an religiösen Institutionen für das öffentliche wie häusliche Leben führt ein solches Verfahren zu einer Verflachung des Judenthums und zu einer Verflüchtigung seines geistigen Inhalts, welcher ohne finnliches Substrat (die Ceremonien) von der Masse des Volkes nicht festgehalten werden kann. Daher schreibt sich auch *) Wir erlauben uns hier einzuschieben: bereits zur Zeit des zweiten Tempels aeben demselben und . . . S—d.