Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 8 (August 1859)
- Date
- 1859-08-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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AundschaÄ. tart za Stande gebracht, bei allen Wohlmeinenden, insbesondere aber bei snseren Religionsgenossen, einer bi^eren Enttäuschung, einer schmerzlichen Aedergeschlagenheit?!atz gemacht. Denn den 500,000 Juden, die der cfferreichische Kaiferstaat zählt, ist damit die Aussicht auf ein neues In denzesetz eröffnet, das „die Stellung der Juden zwar in zeitgemäßer (y Seife, aber mit Berücksichtigung der örtlichen oder provinziellen Berhältmffe zu ordnen" sich zur Aufgabe macht. Was aber das Ghetto im Gebiete emer Stadt, das ist ein Judengesetz auf dem Gebiete der Gesetzgebung. Und wenn dieses Ghetto noch so wohnlich eingerichtet, noch so schön aufgeputzt ist: es ist und bleibt ein Produkt der engherzigsten Anschauung oder, mn es mit dem währen Namen zu bezeichnen, ein Ausfluß des Religions- Fanatismus, der nur deßhalb bei den übrigen Akatholiken nicht mit ahnlicher Schärfe hervortritt, weil er sich hierzu noch nicht stark genug fühlt. Ist es aber nicht himmelschreiend, daß den Mitgliedern einer Genosenschast, die in dem eben beendeten Kampfe zwölftausend ihrer Söhne als Streiter lieferten, die gleich ihren übrigen Waffenbrüdern, ihr Leben einsetzten für Kaiser und Baterland — von der glänzenden Bravour, die Einzelne bewiesen, wollen wir hier gar nicht sprechen — und damit das Liebste und Theuerste, was der Mensch besitzt, dem Baterlande zur Verfügung stellte, ist es nicht himmelschreiend, daß ihnen dennoch Rechte entzogen werden sollen, die man selbst den schlimmsten Verbrechern, werln sie ihre Ztrafe verbüßt haben und dem römischen KatholicismuS angehören, nicht versagt? Ist es nicht himmelschreiend, daß man denen, die als Krüppel vom Schlachtfelde heimgekehrt sind, die Niederlassung , den Ankauf eines Lefitzthumes, das Halten eines christlichen Dienstboten verwehren will, wenn sie außer Stande sind, einen Taufschein vorzuzeigen? Ist es etwa das Anhören der Masse, das erst zum vollständig - österreichischen Kriege macht? Bon diesem Wahne, sollte man denken, müßte man in den leitenden Kreisen zu Wien gründlich curirt sein! Ist aber der Jude ganz Oesterreicher auf dem Schlachtfelde, warum soll er nur halber oder viertel Oesterreicher sein, wenn er an seinem friedlichen Herde weilt? Doch noch ist das letzte entscheidende Wort nicht gesprochen in dieser Angelegenheit. Möge Oesterreichs guter Genius die neu berufenen Lenker seiner Geschicke von einem Systeme abhalten, das die religiöse Verfolgung legalisirt, dessen äußerste Eonsequenz, wie der dermalige preußische Minister desCulruS unlängst treffend bemerkte, die Entführung eines Mortara ist! - S-d. — August. — Bon unserem Freunde und Collegen, dem Herrn Stadtrabbiuer Präger zu Mannheim, ist uns eine Predigt zugegangen, die eine unter dem Titel „Sabbathfeier" zu veranstaltende Predigtsamml«vg eröffnet (vgl. die Anzeige in dem Juliheste dieser Monatschrift). Indem wir uns eine Beurtheilung dieser im Werden begriffenen Sanrmlung, wenn erst einmal ein größeres Material vorliegt, vorbehalten, wollen wir doch jetzt schon nicht verfehlen, dieses Unternehmen des als tüchtigen Kanzel-