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Der israelitische Volkslehrer · 1859-06-01 · Heft 6 (Juni 1859) · page 27

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 6 (Juni 1859)
Date
1859-06-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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^'i^> 37. Rundschau. -NNVM 'Mvll?O!?p Frankfurt a. M., im Juni 1859. — Aus Chicago, in den vereinigten Staaten Nordamerika's, ist uns unter dem bezeichnenden Titel: die Stimme deS Predigers in der Wüste (Toi kors darmädar), eine BrochiLre zugekommen, verfaßt von dem Secretär des jiid. Reformvereins, B. Felsenthal, daselbst. DaS Werkchen ist mit gründlicher Sachkenntniß, mit warmem Interesse und lebensvoller Wärme geschrieben, aus welcher der Leser herausfühlt, wie ernst es dem Schreiber mit seinem Gegenstände sei. Auch loben wir das in der Schrift, daß der Hr. Verfasser mit den mosaischen Gesetzen nicht tabula rasa machen, daß er, von den talmudischen Aus - und Anwüchsen befreit, Sabbath, Jom — tobh, Speisegesetz u. A. aufrecht erhalten und dadurch der Maßlosigkeit im Abwerfen, welches sich von dem ceremoniellen Gebiete dcr Religion so leicht auch auf das sittliche hinübersvielt, entgegen arbeiten will. — Das ist Alles gut. — Warum aber der geschätzte Verfasser, um zu diesem Resultate zu kommen, für nöthig hält, seinen Unglaub en an die Offenbarung zur Schau zu tragen, das ist uns nicht nur unerklärlich, sondern erscheint uns geradezu als der Todesstoß auf die Reform, und darum hier unser feierlicher Protest! — Es kommt uns nicht in den Sinn, in diesem Artikel die subjective Ansicht des Verf. zu widerlegen; auf dergl. Controversen haben wir nie viel gehalten. Als entschiedener Freund und Vertreter der Reform aber wollen wir eben auf's Entschiedenste Verwahrung dagegen einlegen, daß man in die Reform des Judenthumö. die es mit dem äußeren Formen - gewande desselben zu thun hat, die Dogmatil hereinzieht. Hat man vergessen, daß über die Auffassungsweise des Abendmahls Lutheraner und Reformirte Jahrhunderte lang verfeindet waren und einander verketzerten, obgleich sie beiderseits Protestirende gegen die Unfehlbarkeit Rom's waren? — Unser Kampf ist gerichtet gegen die Unfehlbarkeit des Talmuds, und weiter will Hr. Felsenthal ja auch nicht, daß gegangen werde, ja, er will auch vom Talmud, und auch hier stimmen wir ihm freudig bei, erhalten wissen, was gut und frommend ist; was hat damit die Frage über die Offenbarung zu thun? warum diese in einer zur Bildung eines Reformbundes auffordernden Schrift so in den Vordergrund stellen? warum den Satz, daß Alles aus deS Menschen ureigenem Geiste komme, so betonen, als sei er die oonäitio sine yua von, daS Schibboleth, um in das Heiligthum des Reformvereins in Chicago eingelassen zu werden? — Nun, verehrter Herr Felsenthal, wenn ich und Hunderte mit mir, vor dem Tempel stünden und sprachen: »Wir glauben an die Göttlichkeit der Offenbarung, aber Reformer, ächte Reformer sind wir dennoch; wir sehen durch den hohen iharakn, welchen wir der Offenbarung beilegen, daß sie himmlischen Ur-

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