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Der israelitische Volkslehrer · 1859-05-01 · Heft 5 (Mai 1859) · page 28

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 5 (Mai 1859)
Date
1859-05-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Predigte» von vr. Herzfeld tt. 163 in Reisekleidern verzehren? Warum sich silberne und goldene Gefäße entleihen? „Endlich kam eine unvorherberechnete Nacht, weiter hatte Mosckeh nichts gesagt zu seinen Brüdern u. s. w." (S. 71). Mir will scheinen, er habe genug gesagt, um zur Vorbereitung anzuspornen, und Herzfeld habe zu viel gesagt und deF Guten zu viel gethan, indem er in den „Älas-otli" eine symbolische Hindeutung auf das Urplötzliche der Erlösung, auf das blinde, vertrauungsvolle Hinausziehen in die Thüste ohne Ende findet. Meines Erachtens thut man überhaupt nicht gut daran, von diesen großen aber dunklen Akten der Erlösung anders als in allgemeinen Umrissen zu sprechen. Die Hülle von dem specielleu des Vorganges wegstreifen, heißt sich in verfängliche und unlösbare Fragen einlassen. Indessen — und hier kommen wir auf eine dritte Eigentümlichkeit — Herzfeld ist der Mann nicht, der davor zurückschrickt, vielmehr wagt er sich mitunter sogar an die schwierigsten philosophischen Probleme. Dieses geschieht besonders in der dritten Predigt: „Ueber Willensfreiheit". Er führt in dieser Predigt nicht bloß sehr schön und geistreich alles das an, was die Erfahrung der Lehre von oer Willensfreiheit an Schwierigkeiten bietet und sucht diese Schwierigkeiten zu entkräften, sondern er zieht auch die Frage heran: wie vereinigt sich die Willensfreiheit mit der Allwissenheit Gottes? Und die Antwort: „Sie sind anscheinend unvereinbar, aber — wir Menschen sind ja beschränkte Wesen, wir können nicht wissen, wie Gottes Wissen beschaffen ist, wie weit es reicht" (S. 28). Wohl! Wenn man aber so den Knoten durchhaut, nicht löst, so meine ich: .-H' — Ans Obigem geht nun aber schon von selbst hervor, was diese Predigten trotz mancher Mangel empfiehlt und lesenswerth macht, nämlich: Gedankenreichthum, Tiefe und Fülle des sittlichen und ethischen Gehaltes, offene, unumwundene Auffassung der göttlichen Lehre als Erziehungsmittel zu Vernunft und Sittlichkeit. Herzfeld will der Vernunft ihr Neckt, das Göttliche zu erkennen, nicht schmälern, er dringt auf Erkenntniß, auf ein Sichversenken in den Gedanken, und daher seine strenge Zumuthung an die Zuhörer; er liebäugelt nicht, wie so mancher Andere, mit der Aeußerlichkeit, mit dem Formenwesen, auch wo nichts dahinter steckt. Er hängt ihm keinen neuen - Mantel um, wie es zuweilen geschieht, sondern spricht^ offen aus, daß dieser Mantel gelüftet werden mü^e, mit Schonung frelich und all der Pietät und Religiosität, welche zu ruhiger, langsamer, allmäliger Entwicklung auffordert und jedes wilde Losstürmen ausschließt. Zum Beleg sei eine Stelle aus der

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