Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1859)
- Date
- 1859-07-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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oder: ein Pröbchen Uttgansch-Mährifcher Civllisation. Sendungen in Sprache und Inhalt ihrer Predigten, durch glänzende und erhabene Ausdrucksweise, durch reizende Bewegungen ihres Körpers, u. s. w. Doch wollen wir ihre Talente bewundern, so müssen wir nicht ihre Predigten, sondern die Wirkung derselben beobachten und die Tragweite des Einflusses ermessen, den diese ausüben. Gehen wir hin in die. größten Gemeinden, wo die berühmtesten Prediger wirken, und wollen wir sehen, was diese erhabenen Reden, was diese gediegenen Predigten Großes und Heilvolles im Judenthume zu Ztande gebracht haben. Nicht wahr, meine Freunde, Sie staunen darüber, wie wenig diese Predigten des Heiligen und Religiösen angebaut haben? Sie staunen darüber, wie im Eegentbeil das religiöse Leben immer mehr im Abnehmen begriffen ist. Woher kommt dieses, fragen Sie, was ist die Ursache diejer geringen Wirkung oder vielmehr dieser starken Rückwirkung? Ich will es Ihnen sagen, es ist, weil man das Wort Gottes nicht rein gievt; weil man glaubt, man müsse es in einen Rahmen fassen, mit prächtigen Farben ausschmücken und verzieren, man müsse es mit geregelten (!) Tönen anbringen und dabei sich gleichsam auf der Schnur hin und her künstlich bewegen, man müsse es nach einem regelmäßigen (!) Takte vortragen, als gelte es einer theatralischen Vorstellung. Aber welche Thorheit ist dies? Braucht denn das Wort Gottes einer Verzierung, einer Ausschmückung, eines äußeren Aufputzes, um in das Herz der Zuhörer zu dringen? Will denn das Wort Gottes abgesungen (!) werden, um die andächtigen Zuhörer einzuschläfern? Wahrlich! Nein! Soll es die Menschen von ihren materiellen Träumen wecken, soll es den Sünder seiner Lesheit willen erschüttern, dann muß es aus voller Kehle, einem Posaunenschalle, einer Donnerstimme gleich ertönen und dem Volke gerade heraus seine Zünden verkünden und es zur Besserung aufrufen. Der Prophet sagt: so spricht Gott; Rufe aus voller Kehle, hemme deine Stimme nicht, der Posaune gleich lasse deine Stimme ertönen und in diesem gewaltigen erschütternden Tone verkünde meinem Volke seine Missethat und Israel seine Sünden." ,Aere deine Worte nickt mit schönen Bewegungen, deine Ztimme nicht mit harmonischen Tönen; ohne allen Schmuck, ohne alle gesuchte Pracht des Ausdruckes, rufe aus voller Kehle; suche kein Silbenmaaß (?), keine Phantasie-Bilder, keinen poetischen Schwung, wenn es daraus ankommt, den Sinn zu erschüttern und ihn zu bessern. Mit dürren Worten sage chnen, daß sie gesündigt haben. Dies wird mehr wirken, als alle zierlichen Reden und auserlesenen Predigten!" In diesem