Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1859)
- Date
- 1859-07-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueßer agabksche Lreratur w. Omll, ohne ihn je erschöpfen zu können. Derart geehrt und gehegt, tonnte die agadische Welt üch leicht über die vornehme Gleichgültigkeit trösten, womit der halachische Forscher ihr vorüberging, der einzige, der sie entbehren zu können vermeinte. Es fehlte indeß viel, daß die Midrasch-Literatur von den Wohnungen Israels sogleich ihren Weg gefunden hätte in die Übrige Welt; es vergingen Jahrhunderte, und die Agada war und blieb das fromme Geheimniß der Synagoge und der jüdischen Kanzel. Woher diese seltsame Erscheinung? Ließ es das Zeitalter der aufblühenden Wissenschaften etwa an Mühe fehlen, in diese verschlossenen Tempel einzudringen? Und wenn jene Epoche noch mit den Anfängen der hebräischen Grammatik kämpfte, wurde die lernbegierige Zeit eines Seiden, Lightfoot, Bochart, ja eines Lowth und Herder von gleichen Schwierigkeiten gehemmt? Eine so eigentümliche Verschlossenheit des Sinnes kann nur in verkehrten Wegen, in manqelhafter Methode ihre Erklärung finden. Die ganze außer-juoische Forschung im siebenzehnten und noch in einem Thei! des achtzehnten Jahrhunderts »ersplitterte Kraft und Zeit an unerquicklichen Einzelheiten; sie machte aus dem Mischen Schristthume eine endlose Raritätenkrämerei, indem sie bald dieses, bald jenes mühsam errungene Schaustü mit eitlem Gepränge auf den gelehrten Markt schleppte. Dieser Vorwurf trifft ftlbst einen Wagenseil, einen Coccejus, Celsus u. v. a.; er trifft ganz und gar einen Assemanni und Herbelot, und so lanze^ solche Autoritäten das Gebiet der Forschung beherrschten, so lange war für eine bessere Erkenntniß nichts zu hoffen. Fehlte es auch nicht an helleren Geistern, die wie Scaliger (cls emendations tenixoruinX die beiden Buztorf, Seiden und Simonis, sich eines besseren Strebens beflissen, so standen ihnen doch noch zu große Schwierigkeiten im Wege, und sie litten zum Theil unter dem Einflüsse ungeschickter Vorgänger und schwacher Mitstrebenden. Vor allem aber rächte sich empfindlich genug die mangelnde Pietät, mit welcher die Gelehrten jener Zeit sich an das jüdische Alterthum wagten. Schien es doch eine Zeit lang, als ob hochkirchliches Selbstgefühl und encyklopädistiscke Tunkelhaftigkeit sich den Rang ablaufen wollten, an der jüdiscben Vorzeit zu Herostraten zu werden, wie wir denn von der einen Seite nur an Basnage und Prideauz, von der anderen an Voltaire selbst, im Lssai sur les moeurs 6e3 xeuples, erinnern. Was diese eine fehlerhafte Richtung in der Betrachtung des jüdischen Alterthums verdorben, das konnte die daraus