Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 8 (August 1860)
- Date
- 1860-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Z6S Wer ist ehrlich? fM» -fsswM denn vor dem wird von demselben Rabbiner gesagt: Er hatte wie er mir selbst sagte, vergeblich in feiner Missionsbibel-Aick gäbe darnach gesucht (nach dem gedachten Lames)! — Hat nun aber der einflußreiche Rabbiner wirklich wider^seine Ueber, zeugung gehandelt, d. h. als orthodoxer Jude von einer Gesellschaft eine Bibel gekauft oder angenommen, die ihn von seinem Glauben abwendig machen will, wie kann und darf man aus folche Worte den Stempel „eMich und redlich" drücken? i - Der unbefangene Leser muß sich aber noch mehr wundern über die neue Kluft, die er bemerkt zwischen Reformern nnd Orthdvoxen. Wir sind gewohnt, den Orthodoxen unkritisch und gläubiger a!S den Reformer uns vorzustellen, und gleichwohl lesett wir zu unserem Erstaunen das Gegentheil. Der Orthodoxe glaubt nichd an absichtliche Entstellung, der Reformer glaubt eS ja; der OrthodZre gkrubt ferner ^chi, daß die absichtliche Entstellung Grund sei zur Verbannung der Bibel, der Reformer hingegen glaubt ja, daß in diesem charakteristischen Zeichen ein Mittel zur Bekehrung nach der bekannten Phrase: „in dvö signo vivee8« liege. - > Endlich meint der orthodoxe Rabbiner, daß nur der „orthodoxe' Jude" die Missionsbibel nicht kaufen solle, weil man ihn vom Glauben abführen will. Der Reformer hingegen ist der Meinung, daß auch der Neologe eine solche Bibel nicht kaufen solle, aber nicht, weil man ihn vom Glauben abwendig machen will, sondern weil diese Bibel an sich für den Juden bedenklich erscheint. Wer steht nicht in einer^ solchen Meinungsverschiedenheit die überraschendsten Inkonsequenzen! Das geschichtliche und ungeschichtliche*) Judenthum hat sich auf eine Bahn verirrt, in der beide ihren charakteristischen Standpunkt ganz verläugnen. Der rechtgläubige Jude, dem die Worte des Talmud's der normalste Codex bleiben, ignorirt vollkommen das, was der große Lehrer Jsmaet zu seinem Schüler Meir sprach: „Mein Sohn, sei vorsichtig in deinem Handwerk (im Thoraabschreiben), denn dein Handwerk befaßt sich mit einem höchst heiligen Gegenstand; so du einen Buchstaben zu viel oder zu wenig schreibst, giebst du Veranlassung/den Ruin der moralischen Welt herbeizuführen!" worauf Meir antwortete: „Sei unbesorgt, Meister, ich besitze ein bewährtes Mittel, wodurch ich es sogar verhüte, daß ein und derselbe Buchstabe nicht vermittelst eines Punktes entstellt werde.- lkrukm l3» s.) Man sieht also, daß die Rabbiner in dieser Angelegenheit, wie in so vielen andern Dingen, auf Kleinigkeiten Dieft Antithese, wodurch der Gegensatz der sogenannte» Orthodoxen «nd Reformer hier bezeichnet wird, können wir durchaus uicht aeceptire».. __^_^__