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Der israelitische Volkslehrer · 1860-03-01 · Heft 3 (März 1860) · page 14

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 3 (März 1860)
Date
1860-03-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Zeich«« der Gegenwart sich Hamann ausgedrückt hat, der lebende Jude „das Wunder aller Wunder; mehr als der Kasten Noah's und als der feurige Busch Mose's" oder besser! er ist ganz mit dem Bilde des „feurigen Busches" getroffen: Ein unnützer Dornbusch, in dem die Herrlichkeit Gottes erscheint. Wie hat sich das Volk gesträubt, gewehrt gegen den erhabenen Gottesaedankeu! Und dennoch war unter den Völkern der Erde kaum ein anderes diesem Berufe gewachsen, eben weil es das ungebildetste und roheste, eine wahre tadula rasa unter den hochgebildeten Culturvölkern jener Zeiten war. Egypter, Hindus, Perser und Griechen — alle warm bis zum Ueberfließen voll von eigner Weisheit; alle waren voll von ihren verschiedenen Philosophemen und Mythologien , Theo- und Kosmogonien. — Und sehen wir es nicht deutlich an der Art, wie späterhin die Apostel ihre alten Glaubensgenossen ganz anders als die Heidenvölker behandelten? Die Lehre von der Liebe, von der reinsten Liebe Gottes, die konnten die Heiden fassen; darauf waren sie bereits mehr oder weniger vorbereitet und der Apostel redete davon zu ihnen wie »mit Engelszungen." Aber mit der durchaus eigentümlichen, ganz charakteristischen Offenbarungslehre erne „Schöpfung aus Nichts" konnte er nur in der Epistel an die Juden hervortreten. Die Griechen hätten ihm gleich ihr Aus Nichts wird Nichts! lex ^ösvo^ ^Ssr) entgegen gehalten und ihn nach der Art des großen philosophischen Arztes G alen ausgelacht. ---------------- Auch mit seiner Einheitslehre wäre es ihm vielleicht nicht viel besser ergangen, wäre sie nicht frühzeitig bedeutsam modificitt und für die Katechumnen aus dem Heidenthum zurecht gemacht worden. Bereits die vier Evangelisten nahmen die nöthizen Modificationen damit vor und gaben uns das Vorspiel jener endlosen, blutigen Tragödie, welche wir Kirchen- und Ketzergeschichte nennen. Im Athanasius'schen Glaubensbekenntnisse sehen wir die Mischung von Offenbarung und Philosophen: so ziemlich inS Gleichgewicht gebracht; der Ausdruck des Trinus und der Tr^itätslehre. gibt den genauen Begriff dieses Amalgamas. Das spätere und frühere Schwanken zwischen diesen zweien zu einer verschmolzenen GotteSlehre, bald das Herüberneigen zur Ein heits lehre der Offenbarung, bald Vielheitslehre deS Heidenthums und Philosophemes, ist der Inhalt der Fortbildunasgeschichte des Christenthums bis auf den heutigen Tag. Der Unitarismus Polens und Englands bildet die eine Seite; der lutherische Evangelismus die andere, sowie schon ursprünglich Marcus (12, 28. 2S. 30.) noch ganz im Judenthume wurzelt; dagegen Johannes ganz

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