Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1860)
- Date
- 1860-02-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Der Eid mors juck»!vo. heiligen Gegenstand eFassen soll, geschieht mcht, um dabei m schwören/sondern er schwört bei Gott, und man läßt ihn den heiligen Gegenstand nm erfassen, um- Bangigkeit, Scheu bei ihm hervorzurufen." (Beide lebten Ende des dreizehnten Jahrhunderts.) Sie theilen mir ferner noch einiges Andere mit, das für die Anwendung besonderer Förmlichkeiten bei der Eidesleistung eines Israeliten geltend gemacht wird. Da es sich auch hierbei um Rekgiöses handelt, so erlaube ich mir, auch dieses.M besprechen. Sie sagen, es werde bemerkt, daß das Gesetz bei dem Eide nicht eine bloße, feierliche Versicherung, sondern eine solche fordere, welche nach den Begriffen des Schwörenden den Effekt habe, die göttliche Intervention zur Besiegelung der Wahrheit oder Bestrafung der Lüge hervorzurufen. Dies kann vom religiösen Standpunkte zugegeben werden. Allein der Eid „bei Gott", bei der Wahrheit Gottes hat gerade diesen Effekt am allermeisten.. Wer so verstockt ist, daß ihn die Hingabe seines Gottes und dessen Schutzes, der Trost seines Bekenntnisses nicht rührt, auf den können, wahrlich äußere Förmlichkeiten nicht wirken. Wir fragen jeden Unbefangenen, ob das einfach erhabene Wort Abrahams: , "Ich hebe meine Hand auf zum Ewigen, m Gott, dem Höchsten, dem Eigner des Himmels und der Erde, daß . . . " nicht einen unendlich tiefern Eindruck auf ihn macht, als jede noch so combinirte Formalität? Will man aber auch einen größern Effekt durch Formalitäten annehmen, so dürfen doch diese Formen nicht willkührlich sein; sie müssen doch wenigstens in dem betreffenden Religionsbekenntnisse ihren Ursprung und ihren Grund baden, was aber, wie nachgewiesen worden, bei dem von den Israeliten geforderten Gebrauch der Synagoge, der geschriebenen Tora, deS Todtenhemdes u. s. w. nicht gesagt werden kann. Sodann müßte consequenterweise bei Christen auch die Kirche angewandt werden. Denn man kann nicht läugnen, daß diese auf den Cbristen einen mächtigen „Effekt" hervorbringen müßte, wenn es sich bloß dämm handelt. Ich meinerseits läugne nicht, daß ich ebenso den Gebrauch der Kirchen bei Eidesleistungen bedauern müßte, wie ich den der Synagogen bedauere. Ich schaudere bei dem Gedanken, daß ein Bösewicht beide, Kirche und Synagoge, die der Reinigung und Läuterung des Menschen dienen sollen, durch einen Meineid zur Schädelstätte der Schuld und der furchtbarsten Gotteslästerung erniedrigen könnte. Wenigstens aber, wir wiederholen e», hat die Unterscheidung Zwischen Juden und Christen in dieser Hinficht weder einen religiösen nöch einen psychologischen Grund: Bezug auf deü religiösen Begriff des Eides unterscheidet sich das Christenthum durchaus nicht vom Judenthum (S. Reinbard, System der christl. Moral, lU.S. 5) und daß es die Juden