Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1860)
- Date
- 1860-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Eid woro ZaSaieo. 47 Ganz ebenso lehrt uns das Verbot des falschen Eides 3 M. IS,!2 : „Ihr sollt nicht schwören bei meinem Namen zur Lüge, du würdest entweihen den Namen deines Gottes, ich der Ewige". Der falsche Eid, dies geht klar daraus hervor, ist eine Abläugmmg, eine Entweihung Gottes, ein Verwerfen seiner Heiligkeit — denn Gott ist der Herr, der Ewige, den du nicht ^erlaugmn^oärfsi. " Es ist daher begreiflich, daß die israel. Religionslehre, wie sie den falschen Eid in jeder Weise so außerordentlich verpönt, den zur notwendigen Eruirung der Wahrheit von dem Gerichte erkannten wahren Eid, wie bereit oben aufgestellt, sogar als positives Gebot auffaßt; denn der wahre Eid in dieser Weise bekunde eine Anerkennung und Verehrung, die wir dem Gotte der Wahrheit schuldig sind. So sagt der große Gesetzeslehrer Maimonides lv. d. Eiden, Cap. IN §. 1.): „So wie vergeblicher und lügenhafter Eid göttliches Verbot ist, so ist es Gebot, daß der, dem durch das Gericht ein Eid zuerkannt wird, die Wahrheit bei Gott beschwöre; denn das Schwören bei seinem Namen, dem großen und heiligen, ist ein Gottesdienst, eine Verherrlichung und Heiligung des göttlichen Namens". Ganz in gleichem Sinne spricht sich der gefeierte Rabbi Aron Levi aus Barcelona aus in seinem berühmten Buche der „Unterweisung" (ekmnuek) Geb. 435. . Dieser von der Offenbarung ausgesprochene, von allen Gesetzeslehrern festgehaltene Begriff des Eides beweist allein schon, wie überflüssig, unbegründet, ja in gewisser Hinsicht falsch und sündhaft, jede äußere, pompöse Form ist, mit welcher man den Eid umgeben will. Der Jsraelite anerkennt den einig-einzigen Gott immer und überall, im einfachen Rocke wie im Todtenhemde, im Gerichtssaale wie in der Synagoge, mit der heiligen Rolle im Arme oder ohne dieselbe. Er ist für ihn auf den Scheiterhausen gestiegen, hat für ihn die Erde mit seinem Blute getränkt, hat für ihn — o, es ist das Bitterste für das fühlende Herz, für den gebildeten Geist, der, wie Ihr, an den Brüsten der allgemeinen Mutter, der alma mater der Wissenschaft sich genährt — : er hat für ihn Verkennung, Zurücksetzung, Hohn, —Rechtlosigkeit ertragen, er verläugnet ihn nicht um elenden Geldes willen, wenn — er ihn im Herzen trägt, und betet er ihn nicht an, nun, was sollen ihm denn all euere Formen? Wir sagten, jene Formen sind in gewisser Hinsicht sogar falsch und sündhaft — denn sie ziehen den Geist ab von dem erhabensten Gedanken, der ihn im Augenblick,der Eidesleistung erfüllen soll, von dem Gedanken an Gott, „vor dem jedes Knie A beugt" und umgeben ihn mit Formen, über welche — der Schwörende vielleicht spottet.