Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1860)
- Date
- 1860-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Der'Mb mors ZvSRieo. '2> Stehen die eben angeführten Formen nicht im Gegentheil .- in Widerspmch mit den israel. ReligionSgesttzen, oder mit dem Geiste derselben? ^S. I. Der Begriff des Eides ist nach israel. Religionsgrundsähen folgender: Der Eid ist die Betbeuerung der Wahrhet einer Behauptung bei der Wahrheit Gottes. « Die gewöhnliche Erklärung: Er ist die Anrufung Gottes;um Zeugen der Wahrheit, ist eben nur eine, noch dazu abgeschwächte Erklärung, nicht der wesentliche Begriff. „Nicht zum Zeugen nur soll Gott angerufen werden, sondern es soll von seiner Heiligkeit selbst, als dem obersten Pnnzipe, der Eid auszehn" (Frankel). Noch weniger zutreffend ist die andere Erklärung, daß der Eid ist die Anmfung Gottes zum Richter, der es bestrafen solle, wenn wir die Unwahrheit sagen; denn diese spricht nur die Strafe des Meineids, nicht das Wesen des Eides selbst aus. Obige, das Wesen des Eides nach der israel. Religionslehre bestimmende Definition möge folgender Nachweis kurz begründen. Das positive Gebot über den Eid findet sich 5 Mos. 6, 12. 13. wo es heißt: „Hüte dich, daß du des Ewigen vergessest... du sollst den Ewigen, deinen Gott, fürchten, ihm sollst du dienen und bei seinem Namen sollst du schwören"; ferner das. 10, 17—20. „Denn der Ewige, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr aller Herren .... den Ewigen, deinen Gott, sollst du ehrfürchten, ihm sollst du dienen, ihm sollst du anhangen, und bei feinem Namen sollst du schwören." Der Zusammenhang beider Stellen mit der Warnung vor dem Heidenthum, sowie die wörtliche Fassung: bei seinem Namen sollst du schwören, zeigt deutlich, daß das Schwören ein Bekenntniß der Wahrheit Gottes sein soll, und daß der wahre Eid eben in diesem Bekenntniß seine positive Bedeutung und seinen wesentlichen Begriff hat. _____________ Dasselbe geht auch aus dem Verbote des falschen Eides zunächst im dritten der Zehngebote und aus seiner Stellung in Reihe dieser Gottesverkündigungen hervor. Die erste und zweite Stelle nehmen die Lehre von dem Einen Gott und daS Verbot der Vielgötterei und des Götzendienstes ein, die vierte Stelle das Bekenntmß Gottes, des Einen Weltschöpfers, durch die That der Heiligung des SabbathS. Das dritte Gebot mitten zwischen beiden, kann daher wieder nur das Bekenntniß Gottes, und zwar hier durch daS Wort, im Auge haben: Der falsche Eid ist eine AblaugnunA des Gottes der Wahrheit, die dieser nicht ungestraft lassen wird.