Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 4 (April 1851)
- Date
- 1851-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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74 Die drei Worte. indem er in Betreff der drei Worte dreimal die Frage aufwirft: TVMV^P weßhalb geschieht es? welche Bedeutung liegt den Worten zu Grunde? Er dringt also überall auf den Ursprung des Gebrauches, auf seine vernünftige Berechtigung ein; und der Sinn seines Ausspruchs ist also: wer sich über die Bedeutung der Festgebrauche nicht ausspricht, wer sie nur blindlings übt, ohne Nachdenken, ohne das den todten Brauch belebende Wort, wer die Feste nur begeht, weil sie eben begangen werden müssen, ohne durch sie auf höhere Gedanken geleitet, auf ihre ewig denkwürdigen Erinnerungen und die an diese sich anreihenden Hoffnungen geführt zu werden, '1' d^, der in Wahrheit hat seine religiöse Pflicht nicht erfüllt, denn er hat nur die Schale genossen, nicht den inneren, geistigen Kern. Und so ist es in der That von besonderer Wichtigkeit, daß gerade bei den Gebräuchen des heutigen Festes die Schrift überall den Sinn derselben angibt, zu deren Erläuterung für die Jugend an mehreren Stellen ausdrücklich auffordert, um eben sogleich bei Einsetzung der mosaischen Lehre, sogleich bei ihren ersten Geboten anzuzeigen, daß sie eine Religion des Gedankens sei, blinde Werkheiligkeit verachte, das „Wie? Warum? und Wozu?" nicht als unberechtigte, amnaßliche oder gar sündhafte Fragen verwerfe, sondern im Gegentheil selbst hervorrufe, veranlasse, um dem Geiste die Ehre zu geben, wie es heißt: N'tt' »VS 0"NS?2O der Anfang deiner Worte ist Licht, die Unverständigen aufklärend. (Ps. lt9,l30.) So mögen denn jene drei Worte auch uns heute zum Gegenstande des Nachdenkens dienen. Wir wollen ihre Bedeutung lebendig machen für unsere Zeit, denn darauf kommt es vor Allem bei jeder religiösen Uebung und Betrachtung an, daß der Geist in uns angeregt werde, Fragen stelle, Antwort erhalte. Was also sagen sie uns, jene drei Worte? uns, denen die Feste des Herrn, mit ihren reichen Beziehungen zu Vergangenheit und Zukunft, eine höhere Bedeutung gewinnen in einer Zeit, in welcher, trotz allem Widerstreben der finsteren Mächte, sich so große Dinge vorbereiten auf dem Felde des bürgerlichen