Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1860-01-01 · Heft 1 (Januar 1860) · page 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 1 (Januar 1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3129675-3129731-3129733--3006-3130162
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zm Schulftage. zerstörte Kraft wieder aufbauen zu könne«? Ihr laßt ihn stets in der niederdrückendsten Sorge leben, Ihr laßt ihn mit den traurigsten aller Gedanken den Blüthenstaub von dem innersten Wesen Eurer Kinder vergiften, mit dem Gedanken? „Ich bin ein armer Mann, gehöre zu den Aermsten unter allen Gesellschaftsklassen, ich soll frei die Erziehung dieser Kinder leiten, und — wenn ein andauernder Kartarrh mir eine vermehrte Ausgabe von nur einem Monatsgehalt erfordert, haben meine Kinder kein Brod! Was soll dann aus mir werden?!" Was ist nun ein Beruf, der mehrjährige Vorbildung erfordert, aber das Zurücklegen eines Nothpfennigs für unvorhergesehene Fälle nicht ermöglicht, ein Beruf, an dem man jeden Tag mehr gesteigerte Ansprüche macht, ein Stand, der unter seinen Mitgliedern Männer von eminenten Geisteskräften, von hingebender Begeisterung zahlt, die aber so armselig gestellt find, daß nüchtern denkende Betteljungen lieber das ärmste Handwerk ergreifen würden, als sich diesem Stande zu widmen! Ist die Gesellschaft nicht mindestens verpflichtet, da sie doch des Lehrers Kräfte in ausgedehntester Weise in Anspruch nimmt, Vorkehrung zu treffen, daß in Nochfällen alsbaldige Hülfe vorhanden, etwa eine freie und berechtigte Anforderung an eine Anstalt, die nicht die oft fehlende oder nicht zu erlangende, jedenfalls von Zufälligkeiten abhängige der öffentlichen Wohltbätigkeit ist?! Ist es nicht das Schmerzlichste, zu wissen, daß die Gemeinde, der wir so hingebend dienen, für deren Wohl wir in gesunden Tagen im heiligsten Amte wirksam waren, deren Höchstes wir verwalteten und die doch nach einem, heilsamen und notwendigen Gesetze auch den niedrigsten Bettlex deS Heimathortes in kranken Tagen zu ernähren verpflichtet ist, uns, die Lehrer ihrer Kinder, als Fremdlinge betrachtet, im gegebenen Falle keine Verbindlichkeiten gegen uns zu haben glaubt, uns der drückendsten Noth, der traurigsten Verlassenheit preisgibt? Und erst die Wittwcn! — und die Waisen!--- Ich will hier weder Privaten oder Gemeinden zu nahe treten, aber ich will hiermit auf das traurigste, beklagenswerteste Mißverhältniß im Judenthume — bei andern ReligionSgesellschaften sorgt in beregten Fällen der Staat; aber der israelitische Religionslehrer ist Fremdling — schütz- und rechtlos. ^7 immer wieder und wieder aufmerksam machen, das . den Zerfall der religiösen Institutionen unausbleiblich nach sich' ziehen muß. Ja, wir dürfen nicht aufhören, immer und ickmer darauf hinzuweisen! — Es muß anders werden! Oder ist eS etwa nicht wahr, daß es anders werden muß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.