Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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RmHscha». S7 Mittelfranken.-Zanuar 1856. — Bayerische Zustande. Unsere Kammern find nun eine geraume Zeit beisammen, ohne daß etwas für oder wider uns vorgekommen wäre. Aus der Mitte der Kammer erfolgt keinerlei Antrag für uns, und in den jüdischen Kreisen ist jene Lethargie in politischen Dingen herrschend geworden, die auf allen Erfolg durch Petitionen verzichtet, und doch ist es tief zu beklagen, daß nicht von alten Seiten deren um Emanzipation, eventuell um Revision deS Edikts vom 10. Juni 1813 eingereicht werden. —Doch ist daS Terrain uns günstig? Wohl erfloß in neuer Zeit ein allerhöchster Erlaß, der den Juden sogar den Betrieb deS Landkramhandels kühn hinweg interpretirt, wohl macht sich das Matrikelunwesen wieder in seiner ganzen Gehässigkeit durch strikte Anwendung geltend, aber in der zweiten Kammer, wenn gleich zu großem Theil aus neuen Mitgliedern zusammengesetzt, würde unser gutes Recht sicherlich großen Anklang und warme Vertreter finden. Auch das wäre ein Gewinn, und würde die öffentliche Meinung aufs Neue uns zuwenden. Denn man irrt, wenn man fie gegen uns wähnt, oder wenn man, wie dies in einem jüdischen Blatt wiederholt gescheyen, aus vereinzelten Thatsachen die bittere Stimmung gegen uns dseumentiren möchte. Vielmehr haben in Betreff de? Juden die Bewegungen der vierziger Jahre, die Emanzipationsdebatten, besonders der zustimmende Beschluß unserer zweiten Kammer, das jugendliche akademische Zusammenleben vieler jetzigen Beamten mit jüdischen Studenten, die wür» digen Persönlichkeiten unter den Rabbinern, Schutlehrern, Kaufleuten, Handwerkern;c., mit welchen sie in amtliche Berührung kommen, noch mehr aber die langsam, aber sicher voranschreitende Macht der Ideen einen großen Umschwung in der Gesinnung und Behandlung hervorgebracht. Der bayer'sche Beamtenstand siehst vielfältig in dem Juden einen in seinen Rechten verkürzten Bürger, dem er sein Leben nicht noch schwerer machen darf. Anders jedoch die Kaufmannsnnd Krämerwelt, die denkt, was der Jude profitirt das stünde mir besser an; am schlimmsten aber ist die Geistlichkeit beider christlichen Confessionen, und unter diesen die protestantische in höherem Grade, die als die gern, aber doch nicht herrschende, eS uns gar nicht vergeben will, daß wir auch etwas sein wollen. So wird dermalen an der Errichtung von Filial-JohanniSvereinen gearbeitet. Zu Geldbeiträgen werden die Juden aufgefordert; man nimmt diese gern an; aber Verwaltungsmitglieder dürfen fie nicht sein, denn der Johannisverein zur Milderung der Noch und zu sittlicher Besserung der Mitmenschen ist — ein christlicher. (Sind denn christlich und menschlich zwei ausschließlich congruente Begriffe? — Nun denn! warum seid ihr nicht menschlich gegen euere israelitischen Brüder! — Red.) So erschien in unserer Nähe von einem protestantischen Geistlichen eine Broschüre über die SonntagSmärkte, rest?. ihre Verlegung auf Werktage. Da ist nun Bayern ein christlicher Staat, die Juden treiben alle (?) und überall (?) Handel, und ein heiliger Eifer entleert fich über die Städte, welche sich durch Verlegung von Viehmärktea