Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Rundschau. her, wo keine selbstständigen Comite'S bestehen entgegenzunehmen und durch da« hiesige Comite, dessen Zusammensetzung für reelle Besorgung und zweckmäßige Verwendung Bürgschaft leistet, weiter zu befördern.) Aus Darmstadt, im Januar. — Zn der hiesigen Gesellschaft Res. source ist eine Collecte zur Unterstützung unserer noth leidenden Glau« benSbrüder in Palästina veranstaltet worden. Die zu diesem Behuse ergangene Aufforderung lautet: „Ein Nothruf unserer schwer heimgesuchten GlaubenSbrüder aus Jerusalem ist bis nach Europa gedrungen, ein Angstgefchrei der Verzweiflung. Die Unglücklichen wenden sich nächst Gott an unsere Mitdthätigkeit. Die Thatsache spricht, es bedarf keiner Worte. Darum Freunde, gebe jeder nach seinen Kräften, auch das Wenige wird gerne angenommen; schnelle Hülfe gibt doppelt. In der kurzen Zeit find wir zwar schon öfter in Anspruch genommen worden, lasset uns aber deßhalb nicht ermüden, eS ist das schönste Zeichen unserer Gesinnung, wenn wir neben unserer geselligen Unterhaltung der leidenden Menschheit zu gedenken wissen. — Darmstadt, den S. Januar 1856. — (Der Erfolg dieser Kollekte ist uns, im Betrage von fl. S8. 24 kr. von den geschätzten Vorstehern der Ressource, den Herrn B. Bessunger und S. Sander, mit einem vertrauensvollen Begleitschreiben, zur Weiterbeforderung übersendet worden, und statten wir dafür in unserem eigenen, wie im Namen der Unterstützten hiermit öffentlich unseren Dank ab.) Neben diesem Beweise israelitischer Bruderliebe gegen die leidenden Brüder in der Ferne, ist uns aus der nächsten Nähe ein Beweis christlicher Liebe mügetheilt worden, der uns mit der tieften Entrüstung erfüllt hat. In Heusenstamm bei Offenbach feierte jüngst ver katholische Pfarrer sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum, zu welchem BeHufe in der Volksschule, die auch von Judenkindern besucht wird, Lieder eingeübt wurden, und auf Anordnung der Lehrer alle Schüler an dem betreffenden Vorabende dem Geistlichen ein Ständchen brachten. Der Pfarrer, tiefgerührt, kam des andern Tages in die Schule, vertheilte Groschensemmeln an die christlichen Kinder, mit Uebergehung der jüdischen. Auf die Bemerkung, dieselben hätten sich an derselben Feierlichkeit mit gleicher Freude betheiligt, antwortete der würdige Mann: Es sei dieß ein kirchliches Fest, und gehe die Juden nichts an. Verhöhnt von den christlichen Mitschülern, zogen die armen Kindlein vom Hause Juda sich beschämt zurück. —Was sagen unsere Leser zu solcher Herzlosigkeit, und noch dazu gegen Kinder geübt? Welche ^aat des Haffes und der Geringschätzung wird hier schon in das früheste Lebensalter eingestreuet? Wir erbitten uns von dem Herrn Pfarrer Antwort auf folgende Frage: Als sein Meister sprach, „Lasset die Kindlein zu mir »ommen^.hat er va geschieden zwischen den christlichen und jüdischen Kindern? «S möchte kirchengeschichtlich schwer zu beweisen sein, daß er die jüdischen Kinder von seiner Liebe ausschloß. Ohne Zweifel aber würde er sich solcher Nachfolger schämen.