Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^.^^t. T?ätz. und Gebrandmarkten vor Verdampfung bewahrt und für sie die Fackel der Wissenschaft angezündet. Doch kann er sich nicht erwehren, am Ende (S. 475 ff.) selbst einzugestehen, daß der Talmud mit einigen Mängeln behaftet ist, wie jedes Geistesprodukt, daS eine einseitige Richtung mit unerbittlicher Konsequenz und ausschließlicher Einseitigkeit verfolgt. Diese Mängel theilt er in drei Rubriken. Der Talmud enthält manches Unwesentliche und Kleinliche, welches er mit vieler Wichtigkeit und ernster Miene behandelt; er hat ferner auS seiner persischen Umgebung abergläubische Praktiken und Anschauungen aufgenommen, welche das Dasein von dämonischen Mittelwesen voraussetzen und dadurch mit dem Geiste des Judenthums im Widerspruche stehen; endlich enthält er manche lieblose Aussprüche und Bestimmungen gegen Glieder anderer Völker und Religionsbekenner. Des Hauptmangels jedoch, welcher dem Talmud zum Vorwurfe zu machen ist, daß er das Leben der Juden in enge Bande eingezwängt und jede freie Bewegung im Zudenthume auf viele Jahrhunderte hinaus gehemmt hat, so daß heute noch ein großer Theil der Juden, alle die, welche seiner Lehre blindlings ergeben sind, ihr ganzes religiöses Leben in einen todten unfruchtbaren Ceremoniendienst setzen, dabei jedes wissenschaftliche Streben verachten und sogar für sündhaft erklären, ja selbst die Beschäftigung und die Bekanntschaft mit der heiligen Schrift hintansetzen und gegen das Studium des Talmud und seiner Erklärer vernachlässigen — dieser Versteinerung und Verknöcherung des Judenthums wird mit keiner Silbe erwähnt. Und doch ist dies die eigentliche Schuld, womit sich die Tanaim und Amoras, welche die oft „an einem Haare hängenden Berge" von religiösen Satzungen aufthürnuen, an den Juden versündigt haben, wenn wir auch gerne einräumen, daß die Unterjochung der Geister nicht in ihrer Absicht lag, sondern daß sie in gutem Glauben handelten, und eben nur die unerbittliche Konsequenz, womit siedle einmal eingeschlagene Richtung einseitig verfolgten, sie nothwendia dabin treiben mußte. . Doch wollen wir mit dem Verfasser über den von ihm eingenommenen Standpunkt nicht rechten; wir lassen gerne Jedem den seinigen, so er nur ehrlich gemeint ist und von Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit gegen die, so einen andern oder auch den entgegengesetzten Standpunkt einnehmen, sich frei hält. Nicht ungerügt darf daher der Hochmuth bleiben, womit Dr. Graetz auf Diejenigen herabblickt, welche einer andern Richtung folgen, als er. Besonders ist es Vr. Jost, der doch eigentlich zuerst die Bahn auf diesem Gebiete der Forschung in neuerer Zeit gebrochen hat, gegen welchen er seine Pfeile abschießt. So heißt eS