Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129719--0976-3130015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2« Die Kararten in der Krim. ein paar Nüsse zu knacken, deren er so große bringen ließ, wie man sie nur in der Krim steht. Allmählig kam auch Obst heran, sowie daS bei den Tataren so beliebte Confect älna und daS Zuckerwerk ka^at ai kum neöst Liqueuren. Bald stand der niedrige, runde Tisch zu unfern Füßen so voll, daß wir diesen Imbiß ein recht angenehmes Vesperbrod nennen konnten und mit dem gastfreundlichen Awram gewiß noch bis spät in die Nacht hinein gezecht hätten, wenn wir nicht durch die T)dten an die enteilenden Stunden des Tages gemahnt worden wären. Ich meine, durch die Todten im Thale Josaphat, welches wir besichtigen wollten. Vorher besuchten wir noch, natürlich stets unter Begleitung der Janitscharenmusik unserer Zigeuner, die immer sogleich von Neuem zu unserem größten Amüsement ihr Coneert begannen, wenn wir unsere Pferde wieder bestiegen, des Gegensatzes willen einen recht armen Karaüen, dessen Wohnung - von Außen wie ein Haufen Feldsteine aussah. Wir fanden bei auch ihm, wie bei jenem Reichen, bis in die kleinsten Details der Hauswirthschaft und Geräthe Alles ganz auf tatarischem Fuße, und das Innere der Zimmer weit reinlicher und wohnlicher, als das Aeußere eS versprach. Die Sonne ging eben auf der anderen Seite der Berge un- . ter, als auch die letzten Töne und Schläge der Trommeln und Cymbeln unserer Zigeuner im westlichen Thore von Djuffut- Kale verklangen, aus dem wir in's Freie hervorsprengten und ßbald in's Thal der Ruhe und der Gräber gelangten. Das Thal 1 Josaphat der Karaiten ist eine kleine Seitenvertiefung des größeren Thales, auf dessen Rändern eben Djussut-Kale wurzelt, j Die Karauen haben ihre Todten schon seit den ersten Zeiten ihrer Ansiedelung hier, begraben, und das kleine Thalbecken est bereits bis zu seinem Rande und bis in seine äußerste Spitze so ^voll von Todtengebeinen und Grabmonumenten, wie das Füllhorn des UeberflusseS von Blumen und Früchten. Die neuesten Gräber sind daher schon über den großen Weg, der im Hauptthale hinführt, hinübergeschritten, und es fängt nun auch schon dieses an, mit Todten und Grabsteinen sich zu beleben. Es sind diese Grabsteine durchweg von weißem Marmor und stehen so dicht im Thale bei einander, wie die Nehren im Felde. Durchweg war das ganze Becken mit Eichen und andern hübschen Laub- 1 bäumen besetzt, in deren Schatten die Todten ruhten, während Z lue gebenden oben auf ihrem nacktem Felsen nie dieses Glückes