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Der israelitische Volkslehrer · 1855-01-01 · Heft 1 (Januar 1855) · page 21

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 1 (Januar 1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Die Karatten in der Krim. verschüttet werde, bis auf eine kleine Klappe, durch welche sie es mittels eines Röhrenhebers hervorziehen, gänzlich verschlossen. Auch uns Schmachtenden wurde gegen eine kleine Vergütung gestattet, durch eine Röhre aus dem Fasse eines vorübertreibenden Wasserträgers die ersehnte Kühlung heraufzusaugen. Wir statteten mehrere Besuche in der Karaiten-Restdenz ab, zunächst und vor allen Dingen ihrer Synagoge, welche sie, die in aller Welt (wenigstens in der ganzen südrussischen Welt) Zer« streuten, mit besonderer Vorliebe geschmückt haben. Wir fanden sie voll silberner Lampen aller Größen und von den wunderlichsten Formen. Die Eremplare des alten Testamentes*) welche fromme Juden hierher geschenkt, waren schön geschrieben und mit prächtigen Hüllen versehen. — Alsdann gingen wir zum Grabe der Tochter des Toktamüsch, jenes einst mächtigen Chan's der kleinen Tatarei..... Welche sonderbaren Ereignisse und eigentümlichen Verhältnisse mochten den Chan bewegen, hier, mitten unter dem verhaßten Djuffut, der Prinzessin ein solches Mausoleum zu erbauen, das so einzig und einsam unter diesen Hütten dasteht? — Keine Inschrift, kein Cicerone, keine Chronik antwortete uns, und wir standen fragend auf dem Grabe der schönen Dame, die jetzt stumm blieb, so reizend ihr Mund einst auch geredet haben mochte. — Desto geschwätziger war Tschausch Awram, der reiche KaraZte, bei dem wir später unsere Pferde anhielten, und der unS um Einlaß Bittende mit hundert Danksagungen und tausend Complimenten, wie sie den sonst etwas ernsten und steifen Karaiten gewöhnlich nicht eigen sind, durch seinen Hof und in sein Haus geleitete, das sich vor den übrigen durch seine Größe und seine hölzernen Galerieen rund umher auszeichnete. ES stand hart am Rande des hohen Felsenplateaus und gewährte eine interessante Aussicht in die wild zerschnittenen, tiefen Felsenthäler der Umgegend, insbesondere auf das tief unten liegende Thal Josaphat, in welchem die Kara'uen sich zu ihren Vätern versammeln. Tschausch Awram, der sein ganzes Leben bald hier, bald dort gehandelt hatte, und nun in seinem Alter in das HauS seiner Kindheit in der Felseneinöde zurückgekehrt war, wies auf die von unten heraufschimmernden Grabsteine hin und sagte lächelnd, daß er nun wohl nicht lange mehr so hoch thronen würde, und daß auch für ihn ein solcher Grabstein bereit liege, den er hübsch fein habe zurecht meißeln lassen. Wir konnten es dem guten Alten nicht abschlagen, mit ihm ein Pfeifchen zu rauchen und s> Soll heißen: PentateuchS. — Anm. d. Red. 2*

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