Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Die KaraNen in der Krim. einem Dorfe oder einer sonstigen Niederlassung, die man im übrigen Europa sehen kann. Wenn die Biber aus Stein und auf den Felsenhöhen baueten, würde ich mir eine Biberstadt so denken. Auch die Cyclopen müssen ungefähr solche Städte gebaut haben, wenn diese nur nicht wieder zu groß wären. Der Weg wird kurz vor der Stadt so steil, daß die Pferde mit Mühe auf den äußersten Spitzen der Füße hinaufkletterten. DaS Thor gleicht dem einer alten Burg des Mittelalters. Zu beiden Seiten desselben, über- und nebeneinander, gähnen den Ankömmling zahlreiche finstere Höhlen an, ganz wie die Höhlen der gottlosen Einaugen des Odysseus. die nicht Jupiter und der Menschen Rechte kannten. Sie dienen den Karaiten zur Bergung ihres Viehes während der Nacht und bei Unwetter. Die Wohnhäuser sind klein, niedrig, ohne Fenster, mit platten Dächern versehen, alle aus großen Steinstücken aufgeführt. Da die Straßen dabei zwischen diesen Steinhäusern ganz schmal eingeengt sind, und man immer auf dem nackt hervorguckenden Felsen reitet, da ferner auch die Höfe mit großen Mauern eingefaßt sind, in welche man durch enge Steinthüren hinemschlüpft, so sieht Alles so aus, als bestände es nur aus mit Kunst nachgebildeten und auf der Oberfläche des Felsens zusammengesetzten Höhlen. Kein Baum, kein Strauch, ja nicht einmal ein einziger Grashalm wächst in den Straßen oder Höfen dieses merkwürdigen Felsennestes, um mit seinem grünen Lichte die graue Steinfarbe ein wenig anmuthig zu nüanciren. Die kleinen Straßen, eng, tief und krumm, wie sie sind, irren planlos hier und dort herum und verzweigen sich, als wenn Bäche über den Kopf des Felsens hinweggegangen wären und sie als ihre Betten zurückgelassen hätten. In den Felsenthoren von Djuffut Kale empfing uns ein ganzes Corps von Zigeuner-Musikanten mit einem ähnlichen Bombardement von Biolinen, Pfeifen und Trommeln, wie beim Eingang deS Defil6 und begleitete uns auf unserem Zuge durch den ganzen Ort. Da sie sich nicht zurückweisen ließen, — denn bevor wir ihnen Geld gaben, spielten sie, um es zu bekommen, und nachher thaten sie es aus Dankbarkeit — so ließen wir sie gewahren, um so mehr, weil wir dachten, daß eS wohl eine alte, ehrwürdige Sitte Djuffut-Kales sein möchte, seine Gäste so aufzunehmen. Djuffut-Kale hat auf seinem steilen Felsen nicht ein Tröpfchen quellenden Wassers, und die Brunnen der Karaiten liegen tief unten im Thale. Einige von ihnen beschäftigen sich damit, als Wasserträger die frische Welle auf dem Rücken der Pferde herauszuschaffen und den Durstenden zu verkaufen Die «Mler, in denen sie das Wasser bringen, sind, damit nichts