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Der israelitische Volkslehrer · 1855-01-01 · Heft 1 (Januar 1855) · page 7

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 1 (Januar 1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Rückblick auf das Jahr 1854. 5 Anhänger deS Talmuds? Und wenn nun ein Jude es mit seinem Gewissen vereinbar hält, eine solche Ehe zu schließen, welches Recht steht der Regierung zu, ihn gesetzlich zu behindern? Fragt sie den Katholiken, wann er eine Protestantin Heirathen will, ob er solches vor den Anschauungen seiner Kirche und deren dagegen eifernder geistlicher Vertreter rechtfertigen könne? Nein? unbekümmert um die Einsprüche letzterer, hat sie — auch in Wärtemberg — eine bürgerliche Form gestiftet, um in allen Fällen die Freiheit der Ihrigen zu schirmen. Warum thut sie dasselbe nicht auch den Juden gegenüber? — Weil dergleichen Ehen doch nicht vorkamen?— nun, desto besser; so seid Ihr um so weniger in der Gefahr, von der bürgerlichen Form Gebrauch machen zu müssen. Wer aber bürgt Euch dafür, daß dieser Fall nicht dennoch einmal vorkommen könnte? und in diesem Einen Male sollen zwei Menschen ohne Schutz des Rechtes sein? und ist nicht der Eine von ihnen ein Christ, gleichfalls in seiner Freiheit unrechtmäßig behindert? — Wieder vermissen wir Logik und Gefühl, und haben wir uns bei diesem Falle deßhalb länger verweilt, weil er einen so schlagenden Beweis liefert, zu welchen beklagenswerthen Jnconsequenzen der Gesetzgeber sich verliert, wenn erden untrüglichen Leitfaden der Einen Consequenz aus Händen giebt, nämlich: Gleichheit Aller vor dem Gesetze. Die Verhältnisse uuserer Brüder in Preußen trüben sich mehr und mehr; in Bremen auch beginnt man wieder an ihren Rechten zu mäkeln; und auch in dem großen Oesterreich!- fchen Kaiserstaate sind dieselben, nachdem sie durch Aufhebung der die Gleichberechtigung anerkennenden Gesetze wieder in Schwanken gebracht worden waren, immer noch in der Schwebe. Die Umfrage bei den einzelnen Gubernien ist überwiegend zu Gunsten der Juden ausgefallen; eine entsprechende Entscheidung ist, da der dortigen Regierung zur Zeit wichtigere Fragen vorliegen, noch nicht erfolgt. ES hängt aber die, leider nur zu kurze Zeit im Geiste der Humanität beantwortete, nun wieder fraglich gewordene Judenfrage auf daS Innigste mit jenen großen Fragen zusammen, welche zur Zeit die Welt bewegen und aufregen. Die Ursache, welche den großen Brand in Osten anfachte, war, wie

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