Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Ueber die Gleichstellung der Juden würde. Ob diese Lehre rechtgläubig ist, oder nicht, lassen wir für jetzt dahingestellt. Die Zahl der hieran Glaubenden übertrifft die Zahl der in England wohnenden Juden. Viele der Anhänger dieser Lehre sind durch Rang, Wohlstand und Einfluß hervorragend, sie wird in der Schottischen, wie in der Englischen Kirche von der Kanzel aus gelehrt; Adlige wie Parlamentsglieder vertheidigten sie in Schriften. Worin nun unterscheidet sich dieselbe, sofern ihre politische Richtung in Betracht gezogen wird, von der der Juden? Wenn ein Jude deßwegen, weil er an seine oder seiner Nachkommen einstige Verbringung nach Palästina glaubt, für uns als Gesetzgeber nicht taugt, wie können wir einen an die fünfte Weltmonarchie Glaubenden, der noch vor dem Vergehen seiner Generation die Auflösung aller Königreiche der Erde in ein göttliches Reich erwartet, zum Parlamente zulassen? Zeigt der Jude bei Bewerbungen, zu denen das Gesetz ihn zuläßt, geringern Eifer, als der Christ? Ist er in seinen Geschäften weniger thätig und regelmäßig als seine Nachbaren? Ist die Einrichtung seines Hauses nur so obenhin, weil er sich nur als Wanderer und zeitweiligen Gast im Lande betrachtet? Macht die Hoffnung auf die Rückkehr in das Land seiner Väter ihn gegen die Börsenschwankungen gleichgültig? Bringt er bei Besorgung seiner Privatgeschäfte jeden etwaigen Fall seiner Wanderung nach Palästina in Rechnung? — Wenn dies nicht Statt hat, wie können wir annehmen, daß Gefühle, die auf seine Handlungen als Kaufmann, oder auf seine Anordnungen als Erblasser nicht den geringsten Einfluß ausüben, ihn dann auf das Mächtigste beherrschen werden, sobald er Beamter oder Gesetzgeber würde? — Nun ist noch ein Punkt übrig, den wir nicht leichtfertig abthun möchten, und den wir doch kaum mit einigem Ernst besprechen können. „Die heilige Schrift ist ja voll von schrecklichen Verkündigungen gegen die Juden; es wird vorhergesagt, daß sie unstäte Pilger sein sollen; darf man ihnen da eine Heimath geben? Es ist vorhergesagt, daß sie unterdrückt sein sollen; können wir sie schicklicher Weise als Herrscher zulassen? Ihre Zulassung zu den Rechten der Bürger ist offenbar eine Verhöhnung der