Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Rückblick zu Ehrenämtern fähig und würdig mache — wo dem Volke Gelegenheit gegeben ist, diese heiligen Grundsätze zu bewähren, da bewährt es sie und offenbart die höhere Stellung, welche Bildung und Aufklärung der Menschheit anweisen. — Wir haben im vergangenen Jahre gelesen, wie in Baden wiederholt Juden zu Geschworenen ernannt wurden, denen Gelegenheit geboten wird, über die höchsten Güter ihrer Mitbürger zu Gerichte zu sitzen; in Mainz, dem Sitze eines strengkatholischen Kirchenregiments, sitzen Juden ehrenvoll im Stadtrate, und es ist uns bekannt, wie viele Mühe in dieser Beziehung sich die dortigen christlichen Wahlmänner gegeben, einen tüchtigen und gesinnungsvollen Kaufmann israelitischer Religion zur Annahme der betr. Wahl zu bewegen.—Ein so trauriges Zeichen der Zeit es ist, von diesen Erscheinungen vorurteilsfreien Bürgersinns wieder Akt nehmen zu müssen, so erfreulich sind doch die Erscheinungen an und für sich, den Juden ein Trost, den Christen ein ehrenvolles Zeugniß. — Auch aus unserer hiesigen Stadt haben wir gleich Erfreuliches zu verzeichnen; wenn es wahr ist, daß die Emancipation, die in Herz und Gesinnung des Volkes geschrieben ist, unvergleichlich mehr Werth sei, als die auf dem todten Papiere steht, so hat die hiesige Bürgerschaft für erstere im vergangenen Jahre ein so glänzendes Zeugniß abgelegt, daß wir darauf mit hoher Befriedigung und mit dankerfülltem Herzen zurückblicken können. Denn nachdem die Juden von der Wahl zur Volksvertretung ausgeschlossen waren, wurde letztere dennoch durch die überwiegende Majorität freisinniger christlicher Wähler, im Geiste des Fortschrittes und im Sinn unseres Rechtes zusammengesetzt, und zwar wurde dieses Resultat — die hiesige Wahl geschieht in drei Abtheilungen: der Kaufleute, Gelehrten und Handwerker — dadurch herbeigeführt, daß die beiden ersten Abtheilungen durch ihre Stimmen den Ausschlag gaben. Warum nun, fragt die Geschichte staunend, haben christliche Gelehrte nnd Kaufleute, welche doch die Coneurrenz der Juden am Meisten zu befürchten hätten, für, und warum christliche Handwerker, welche doch gar keine Eon-