Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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S^-Gsttesdienstliches. Air Vottesdienstordnung in der Hauptsynagsge zu Frankfurt a/M. B o r w o r t. Es ist gewiß, daß mit einer gründlichen Umgestaltung des Synagogengottesdienstes noch nicht Alles gethan, es ist aber eben so gewiß, daß mit derselben sehr viel gethan ist. Der öffentliche Gottesdienst ist gleichsam das Angesicht, was eine Religionsgesellschaft der Welt zeigt; und sowie sich in den Gesichtszügen Geist und Gemüth, Charakter und Schicksale allmählich treu ausprägen: so spiegelt sich dieses Alles in Betreff der Glaubensgemeinde klar in ihrem Cultus ab. Das mittelalterliche Judenthum, welches in seiner totalen Abgeschlossenheit sich selbst genügte, war in Betreff des Gottesdienstes ebenso gleichgültig gegen die Mißachtung von Seiten einer ganzen Welt, wie es der einzelne Bewohner der abgeschlossenen ^Gasse" sein und werden mußte gegenüber der ganzen Stadt. Das Judenthum des Mittelalters ist ein compaktes, geschlossenes Ganzes; allerdings, auch die Unordnung gehört dazu; nehmt sie hinweg, wollet das Uebermaß ordnen: schnell wirv es sich als ein solches zu erkennen geben, das ohne Läuterung und Sichtung gar nicht geordnet werden kann, und Ihr befindetEuch mitten in der Reform. Die „Megilla" mit Hamanklopfen, wo das Herz seinen ganzen Zorn gegen den Todfeind auslassen konnte, war in der That weit ansprechender, als dieselbe in lautloser Stille Abends und Morgens zweimal zu hören; beim Recitiren der „Kinnoth" den Gesang verschiedener Dilettanten zu recensiren, war weit amüsanter, als jene Unzahl von Trauerliedern 5 Stunden lang vom Vsrbeter allein zu vernehmen; während der heiligen Thoravorlesung, der wichtigsten Handlung des ganzen Gottesdienstes, profane Gespräche zu führen, war fast eine Nothwendigkeit, wenn man die Geduldprobe erwägt über einen uns oft so entfremdeten kGegenstand bald 157 Z)'im)- bald 166 cn^2), bald gar 209 ("UPS ynp'V hebräische Verse in Stille vernehmen zu sollen, ohne sie einmal zu verstehen! — Wie Ihr ordnet, so müsset Ihr kürzen! Wie Ihr Stille gebietet, so werden Euch in der stillen Beschaulichkeit die Mängel unseres Cultus erst recht klar werden. Denn das laut Gebetete und aä Uditum Mitgesungene ist des Lautsprechenden Eigentum; das läßt er sich nicht gerne nehmen; er legt sein Gefühl hinein, wenn er auch die Worte nicht versteht. Was er leise mitbeten soll, das will er auch verstehen; und wie er sich das Verständm'ß verschafft, bald wird er dann erkennen, daß es den jetzigen Zuständen Vielfach nicht mehr entspricht. Darum ist jeder Lichtstrel-