Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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W> Das rechte Opfer, eise Parabel. stieg er die Stufen seines Thrones herab, näherte sich dem trefflichen Weibe, faßte sie bei der Hand, führte sie zu den Dreien, die bei Seite standen, und sprach: „Sehet dieses arme Weib! sie hat mir keinen Menschen geopfert, aber einen Menschen erhalten; sie hat keine Opferfchmäufe mir zu Liebe verzehrt, aber ihr kümmerlich Erspartes mit einem meiner verlassenen Kinder barmherzig getheilt; sie hat keine Lieder auf meinen Ruhm gesungen, doch ihre Handlungsweise ist ein Lied voll Wohlklang undHarmonie — — ihr gebührt die Krone; sie hat sich um mich am Verdientesten gemacht; gehet hin! werdet ihr ähnlich!" — Doch daS vortreffliche Weib sprach! „Herr, soll ich mir die Handlung, die mich so glücklich macht, zu welcher das Herz mich antrieb, wie der Hunger mich zum Essen antreibt, durch Silber und Gold belohnen lassen? Gib Silber und Gold Denen, die um desseutwillen dir dienen, mir ist das Leben meines Kindes, daS ich Dir verdanke, Lohnes genug!" — Da legte der König, nachdem er eine Thräne aus seinem leuchtenden Auge getrocknet, die Hand segnend auf des Weibes Haupt vud sprach: zieh' hin, meine Tochter! dein Lohn bleibt nicht aus! — Der" liebevolle Herr sorgte für die Erhaltung der braven Ehegatten und für die Erziehung ihres Kindes; der Sohn wuchs in allem Guten herrlich heran, und ward später einer der ersten Diener im großen Reiche des Königs. Die Bürgerkrone, welche der König für ihn zurücklegte, blieb erblich in seinem edlen Geschlechte. — DaS ist die Geschichte! — Und das ist die Auslegung: Menschenopfer find Gott ein Greuel; an Thieropfern hat er keinen Gefallen; auch das Gebet, so hoch es steht, es ist doch das Höchste nicht. Die wahrhaft edle, menschenbeglückende That — wenn sie auch nicht darauf ausgeht — ihr gebührt die Krone!