Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1851-01-01 · Heft 1 (Januar 1851) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
1 (1851)
Issue
Heft 1 (Januar 1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3129675-3129676-3129678--0024-3129931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

18 Das mosaische Gesetz vom Standpunkte seiner Zeit. Wortes, daß der Funke zu einer Flamme auflodere, ähnlich derjenigen, welche Moses im Dornbusche sah, erleuchtend, erwärmen^ nicht verzehrend! Tretet heran, Ihr vor Allen, Väter und Mütter! Lehrer und Erzieher der Jugend! denkende Freunde der Religion! daß es einen kräftigen Zkmd gebe für die Sache des Fortschritts und der Religion, daß der gewaltige Vorwurf, wir wollten das Judenthum zerstören, die Art legen an seinen geheiligten Stamm, zurückfalle auf unsere Ankläger, welche, aus frommer Scheu, den Baum zu berühren, ihn der Verwahrlosung Preis gegeben haben, daß seine Pracht und Herrlichkeit nicht mehr zu erkennen ist. Ja, wir wollen den Baum reinigen! Wir find dazu befugt, wir sind dazu verpflichtet! Und wenn wir bei dem großen Maimoniden Olainim 2, 4) für die Berechtigung zur Reform das Gleichniß finden, man müsse, wenn die Umstände es gebieten, einen Arm hingeben, um den Leib zu retten, so scheint mir dieses Gleichniß, so bezeichnend eS ist, doch nicht ganz auf uns zu passen, die wir die Religion ja nicht Verstümmeln, sondern in der Fülle ihrer gesunden Glieder wieder herstellen wollen. Das Gleichniß vom Baume ab e r sägt Alles. Wie nämlich der Baum Frühling um Früh- ^W kWt^immer neue Triebe hervortreibend, nachdem die dürrren Reiser abgenommen find: so auch unsere heilige Religion. Auch sie hat in ihrer äußeren Gestaltung manchen Zweig hervorgetrieben, der früher seine Früchte gab, der aber jetzt, vertrocknet, frischem Triebe hindernd im Wege steht. Ein neuer Frühling ist nahe; darum schaffet die dürren Reiser fort, damit der heilige Baum auch unS die Früchte der Vollkommenheit, der Weisheit und Güte darreiche! Darum hadert nicht über die dürren Zweige; schaaret euch um den ewig jungen Stamm! Denn also spricht unser großer Jesaias (6, 13): „wie bei der Eiche und der Linde, ob sie auch die Zweige abwerfen, ihr S tamm bleibt, also wird eine heilige Nachkommenschaft der Stamm bleiben!" — Laß dorren das Gras; laß welken die Blum'; unseres Got teS Wort wird bleiben in Ewigkeit! Amen. Amen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.