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Liberales Judentum · 1922-06-02 · Heft 6 (2.6.1922) · p. Seite 54

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Journal
Liberales Judentum
Volume
14 (1922)
Issue
Heft 6 (2.6.1922)
Date
1922-06-02
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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i«WMst«rr ves iübische« Relimonswesens auSfallen wüchen. Wogegen wir uns wenden, ist, bafc die gesamte vorber» (Me GSttrvwett aufgestSbert wird, um mindestens eGuMletim. vielleicht aat überlegene Gestalten des Glau» bmM dem Gatte Israels an die Seite m stellen. Diese hssto-rrfche Gö-envere-rung machen wir tt«chr mit; den Götzencknbo, den Delitzsch mit eisern« StA»- a» den Bat« des Heiligen Israels prollamieren w», «Sennen fcfe nicht an. Die neugierige Frage. warum nöcht» Moloch. Baal. Rebo. KemoS oder Ammon-Ra rum WMennotte geworden ist. sondern allein JHWH der Gott IjstaaW? wartet immer noch auf Antwort. Es konnte fl&Hfeito erscheinen, fcoft das Schicksal der biblischen Theolosch ia rmSsbar mit der chriWcherl verknüpft ist. Der Marmmf eine- Ed. Koma in der Jüdisch-liberalen Zeitung (9k. 11 d. I.) wogen des gegenwärtigen. heillosen Zuder biblischen Theologie mag in Kreisen christlicher MbeWftiSer Gknbruck gemacht haben. Dir wissen ober mVatz vielen der letzteren eine scharst Trennung de- „Äw* vom Testament willkommen wäre, ja daS Nvm n»r noch als Produkt arischen Geistes annehmbar erstürmt. Das Uebel mutz von innen heraus geheilt werden. 3Bk lag der Grundirrtum? In der hemmungSrof-LL Anwendung des biologischen Entwickeln ngSged an kenS in der Sphäre der RELsg ro u. Wir müssen bekennen, dost wir selber zu HÄien nicht weit von dieser Gefahr entstrnt waren. So «ratz war der suggestive Einfluß des Dogmas, als mutzten sich Me« und Form ifcr ReLgion allüberall streng gleichncktzm nach mechanische« Gesetzen vom Fetischdienst zu höherer Geistigkeit entwickeln, datz für religiöse Genies, geschweige für daS irrationale Moment einer göttlichen Leitung kML Matz blieb. Wir iahen nicht (was man beute befaste« m der Kunst hervorhobt), datz daS Nacheinander noch kein Uebereinander bedeutet, sondern viele Ästige B«Mgrmgen im Strome der Zeit nach durchaus eigenen, irmeveu Gesetzen ablaustu können. Soll für das Juden-- tuM daS Wort Offenbarung eine Wahrheit uafc Leine Heuchckei fein, dann kann sie nicht einen ein» tnflÜp. göttlichen Anftotz bedeuten, dem eine tont menschliche Entwickelung folgte : dann mutz sie ein Ergreife« des Mtznschen in immer neuen Momenten sein, ein Erwecken aus dem Abfall und stetes Wiedererwecken: dann wird unsere Religion erkannt nicht als mechanisch Mausende Entwickelung, sonder» als wunderbar bewegte. von göttlichem Geiste erfüllte EWWW. Diesen Unterschieb gilt es. auch für unS Juden iW Asm M fasse». MMmnar Bovstls sagt «mmck: es «ivt keme tanstndiWrigen Irrtum«. Dann ist auch daS Judentum nicht im Stetem* wer« es an die Offenbarung des Weltengottes iti Mvael fest den Tage» seiner Stammväter glaubt, des GtztzM. der da war. ist und sei» wird Dan« ist der BegM mestver Ausettmchlnn« geschichttich m erfassen, der Agchmach auf unstve «ligiöst Eigenart und Genialität anzurMmren» das Irrationast. d. h. das göttliche Moment m der Leitung Israels m verehren. So lange uns die VÄnWMM Relicnonsforschung. die besonders mit Stade- MMaustn eingesetzt hat. dies verweigert, müssen wir ihre Wegsfür irrig erkläre«. Eine kurze SchluWemerkung. Ware die Bibelkritik beL aller Sachlichkeit und Wissenschaftlichkeit immer von jener religiösen Ehrfurcht erfüllt gewesen, ohne dis 8siv Zweig der Theologie denkbar ist. sie hätte eine be- Arbmbe Anziehung auf jüdische Kreise im Sinne des Wetteifers und der Mitarbeit erzielt. Es kam anders. Unsere älteren Forscher verhielten sich mtt wenigen Aus« nahmen ablehnend und versenkten sich lieber in Probleme des jüdischen Mittelalters, in Familiengeschichte. Liturgik oder Religionsphilosophie. Es war eine befremdliche Seelenruhe, während man unser Heiligtum bestürmte und symbolisch in Flammen aufgehen lietz.. Vielleicht war es auch ein unerschütterliches Vertrauen auf die Widerstandskraft unseres Palladiums. Je schmerzlicher die dielen vermißt wurden, desto grötzerer Dank gebührt den wenigen Verteidigern, dem Reftor David Hoffmarm s. A.. und unserm Dr.. Benno Jacob. Der Zeitpunkt ist gekommen, wo eine ganz neue Phast im Ringen der Geister um unsere Bibel anhebt. An uns ist es, uns fortan nicht mit der Kritik der Kritik zu begnügen, sondern mit positiven Leistungen an dem Neubau der biblischen Wiffenschaft zu be* teiligen. Den Begriff der ..Biblischen Theologie" hat Abraham Geiger vor fetzt gerade 50 Jahren entwickelt. Welcher jüdische Gelehrte liefert uns ein wissenschaftliches Werk. daS auf diesen Titel Anspruch macht? Leo Vaeck« .Wesen ües Judentums"). Bon Margarete Susmarr. In unserer bunten, zerrissenen, in zahllose sprühende Feuergarben verschiedener Wahrheiten auseinanderstiebenden Zeit steht Leo BaeckS herrliches Buch „Vom Wesen des Judentums" aks granitenes Monument und Zeugnis einer ewigen Wahrheit. Einer Wahrheit, die Zeiten und Völker überdauert hat und die zugleich in alle ihre Erkenntnisse auf verschiedenen Wegen eingedrungen ist — einer gewaltigen übergreifenden Wahrheit, ohne die im Grunde nichts von dem geistigen Besitz unserer Welt in der Form, in der er unser ist, denkbar wäre. Klar und fest scheiden sich an diesem Buch die beiden großen Quellen, aus denen unser europäisches Leben zufammengeströmt ist und all seine Kräfte gezogen hat: die heidnische Antike und die Wett deS Judentums. Nur diese letzte gilt es hier zu enthüllen; die andere ist ebenso wie die ftemdere des Buddhismus nur alS Grenze, als Unterscheidendes angedeutet, die daS Judentum mit umso größerer Bestimmtheit hervortreten lüßt; und wie daS Buch diese jüdische Welt in ihrer ganzen Tiefe und Höhe, ihrer Kraft und Vollendung umreißt und gegen alle anderen Lebenserfafsuugen abgrenzt, wächst vor uns ein Bild' des Menschentums emvor von so erschütternder Ueberzeugungskraft, solcher heimwehweckenden Gewalt der Einheit, daß man daS Martyrium der Juden oller Zeiten für ihre Wahrheit hier wie eins schlichte, ewige Selbstverständlichkeit begreifen lernt. Denn alles greift hier ineinander, erweist sich, erfüllt sich, bewährt sich aneinander zur letzten Einheit: Glaube und Leben, Gegenwart und Zukunft, Bestimmung und Freiheit, Schichalszwang und schöpferisches Tun, Jndividunw und Gemeinschaft, Hoffnung und Erfüllung, und so zuletzt im wertesten Umkreis noch Leben und Tod. Denn alles entspringt aus der einen Wurzel, und alles kehrt in die eine Krone zurück: zwischen Gott als Ursprung und Gott als Krone der Schöpfung ist der unverlierbare gottgewollte Platz der vollendenden Menschheit. Hätte man nie gewußt, was der Ursprung der prophetischen Religion aus dem Einen Gott für die Eine Menschheit bedeutet: hier müßte man es lernen, es erkennen. *) „Das Wesen des Judentums" von Leo Baeck,. zweite neu bearbeitete Auflage, 1922, I. Kauffmann Verlag. Frankfurt a. M. 8°. 308 Seiten. Gebunden Mk. 120.-. br. Mt. 90.—.

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