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Liberales Judentum · 1922-05-05 · Heft 5 (5.5.1922) · p. Seite 43

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Journal
Liberales Judentum
Volume
14 (1922)
Issue
Heft 5 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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48 Abt. aber tvaS wlr taten, geschah im chrlichen ..Mutz", aus -er Tiefe einer grossen. reinen Id«, aus dem Streben, die Richtung auf Gott im buchenden NchiliSmuS m erhalten. Unsere gottgewollte Aufgabe haben wir erfüllt. Mge, war nachkommt, bester und dauernder, für unser I«dentum segenvoller sein. Äarlsbad. Var Pestach 5682. Ihr stets getrerler Dr. Ziegler. dlarlchemerkung: Die offeneAnt Wort auf dr^en offene »Brief wird in der nächsten Nummer erfolgen, da für diese Nummer der Raum nicht ausrcicht. Dr. Sel'kgmann. das Wesen -es liberalen Juöentums. Don Rabbiner Dr. Lew ko Witz, Berlin. Es ist mit lebhafter Freude zu begrüßen, daß düse Zeitschrift jetzt der fachwifftnschaftlichen Erörterung unserer religiösen Probleme dienen soll, und ich folge gew der Aufforderung der verehtlichen Schrrftleitung, M den Grundfragen, die uns bei der letzten Tagung dev liberale» Reckbiner beschäftigt haben, nochmals Stellung zu nehmen. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass wir unseren Mick über den Kreis unserer Parteigenossen hknaus auf die jüdische Gefamcheit richten und unsere Zugehörigkeit zu ihr «Minden wüsten. Wenn wir uns aber liberale Rabbiner nennen und im Namen des liberalen Judentums unsere Forderungen stellen, dann mutz auch das Eigentümliche und Besondere unserer Austastung deutlich und entschieden zum Ausdruck kommen. Dieses selbstverständliche Posttllat haben die Kollegen Wiener und Goldman« in chren Referaten nicht erfüllt, sie hoben die Grenzen, die uns vom Nationaljudent-um und von der Orthodoxie trennen, nicht sichtbar gemacht, sondern verwischt. Wiener erklärt den Mißerfolg des LÄorakiSvms aus dem Borcmstellen des Weltanschaulichen. Gedanklichen, der religiösen Wahrheit. Unter dem Einfluß des christliche» Religionsbegriffs hat man im Judentum ein System von Lehren, eine universale Weltanschauung gesehen, während ,Has Leben des Judentums die lebendigen Juden sind, der konkrete Zusammenhang jüdischen Menschtums in feiner Allheit". Wir bedeuten auch als religiöse Juden nur eine Wirklichkeit, „wenn wir in der tiefsten Verwurzelung mit unserem Stamm etwas Gottbestimmtes erkennen, eine religiöse Tatsache also von Höchster Bedeutsamkeit erleben, mit anderen Worten, das Judentum nicht denken, sondern als jüdische Menschen es als die Sickskrnz unseres persönlichen Wesens fühlen." Die Kritik, die hier Wiener am Liberalismus übt. ist nicht unberechtigt. Er ist tatsächlich einseitig intelleftualistisch gewesen, hat mehr das Denken und Erkennen als die Notwendigkeit des Fühlens und Eckebens betont. Der Begriff des lebendigen Judentums, den Wiener an die Stelle der jüdischen Lehre sehen will, ist aber so unbesÄmnÄ. daß hier eine schärfere Analyse einfetzen mutz. So lange unsere Religion die Totalität des jüdischen Lebens umfaßte, waren die lebendigen Juden das lebendige Iudewtum, die religiöse Wirklichkeit. Seildom aber das religiöse Leben ein besonderer Bezirk des jüdischen Gesamtlebens geworden ist, ist ihre Gleichsehung unmöglich gewogen. Den Gegensatz zu religiösem Intellektualismus bildet jetzt DM rnM hoch MMtz Leben. sMery. tzas MgiOtz Mi der Juden. Wiener seht hier anstelle des religiösen Sei} nationalen Begriff des Judentums. Wenn das religiöse Leben ht der Gegenwart nur «N Teil des jüdischen Gesamtlebens ist, dann ergibt sich die Frage, aus welche Weise diese besondere Welt entsteht und' wie sie sich gegen ihre Umgebung abgrenzt. Zur Zeit der Entstehung des Judentums, in der klassischen. schöpferischen Epoche unseres Glaubens waren Leben und Lchre verbunden. Mose und die Propheten haben im Schicksal und Leben des jüdischen Volkes ihren Gott gefunden. Die jüdische Frömmigkeit der Gegenwart aber ist nicht ein» schöpferische und ursprüngliche, sondern eine abgeleitet. Wir schaffen unser «ÄMses Leben nicht unmittelbar aus unserem jüdischen Menschtum. sondern durch das Medium der Bibel und der gesamten jüdischen Tradition. Wir können nur nachschaffen, was irr der überlieferten Lehre an jüdischer Frömmigkeit bereits geformt ist. Die yanzv Wett jüdischer Empfindungen, all das Irrationale unsere-, jüdischen Lebens, soweit eS religiös ist, entsteht erst durch! die jüdischen Gedanken unseres reHgwfen Schrifttums^ durch die Lehre. Beim Schema Iisroel schwingt für rmsk auch die Erinnenmg mit an das Martyrium des jüdische« Stammes, es ist ohne Zweifel der Gott der Väter, deffenl Stimme wir dann Höven. Aber das Entscheidende bleÄi doch die Realität des «men Gottes. Nicht durch die 9fooffc tat des jüdischen Menschen aller» entsteht das religiös Judentum, sondern durch das Dasein des einen Gotteder Liebe und Gerechtigkeit, von dem das Schema spricht« Ohne religiöse Lehre gibt «8 für uns kein religiöses Lebe«, In einer nkchtjüdstchm, Umgebung zumal können wir dal Eigenart unserer jüdischen FrörmnWett uns nur dann bewußt werden, wenn wir das Besondere unserer rellgiöft» Haltung dem Leben gegenüber Dar erkennen. Nur sowcktl eine Neugestaltung des Judentums aus dem Geist dal Gegenwart heraus versucht wird, geht das neue Men dev neuen Lehre voran. Goldmann hat uns mit der Unterscheidung ÄneSk objektiven und eines fubjekttven Liberalismus überrascht« Der objektive Liberalismus erkennt die GöMchkett dev fupranaturalen Offenbarung und den gesetzlichen Chat, rakter deS Judentums an. Bou der OÄhodoxde «wim* scheidet er sich nur dadurch, daß er die formalistische Uebem IwSbung der Gesetzlichkeit ablehnt und eine Anpassung dev Gesetze an daS Zeitempfinden und die Bedürfnisse der Gegenwart verlangt. Eine solche Umgestaltung der Ueber> Lieferung ist möglich, weil nur der Inhalt der Offenbar««- göttlich, chrs Form aber Menscheuwerk ist, „aus dem ©e« dürfniS einer vergangenen Zeit geschaffen, von den -irrem den menschlichen Ansichten der Zeit erfüllt und darum ohne Anspruch auf Göttlichkeit und Ewigkeit." Subjektiv fft der Liberalismus der Rettgionsphllofophen, die das Bedürfnis haben, ihr «Kgiöfts Denken mit der Zeitanfchaurmg zu« verbinden und dabei fremde Gedanken ins Judentum hmemtvagen. Subjektiv ist auch der Meralismus der Laien, die aus Unwissenheit. Selbstüberhebung und qetvissenlosem Opportunismus die Tradition opfern und ihr Judentum nach ihrem Geschmack modeln. Düse ganze Austastung des liberalen Judentums ist schon deshalb unhaltbar, weil sie unlogisch und widerspruchsvoll ist. Wer cm eine übernatürliche Offenbarung glaubt, hat gar nicht die Möglichkeit, zwischen Inhalt un&! Form zu unterscheiden. Die göttlichen Gedanken müssen dem Menschen doch in bestimmter Form gegeben werbe« Für die offeivbarungsgläubigen Orthodoxen -ist darum selbstverständlich jeder Buchstabe der Thora inspiriert. Wenn, die Form Menschenwerk, von den irrenden menschlichen Ansichten der Zeft erfüllt ist", tvo bleibt dann die absolute Wahrheit, um deren willen mm m die WßMMrWM dW Mm jdSM&ä

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