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Liberales Judentum · 1922-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1922) · p. Seite 31

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Journal
Liberales Judentum
Volume
14 (1922)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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jektivismus gelebt. Und das ist dessen Tragödie! Eine jüdische Richtung, die nicht imstande ist, die Kinder an sich zu fesseln, ist schon gerichtet. Ich bin mit voller Äbsicht in meinem Referate nicht auf die Quellen des su bjektiven. LiberalismuL^ eingegangen. Zum Schluß das eine über Pe, daß sie lediglich im materialistischen Monismus unserer Weltkultur liegen, dem in der praktischen Welt der Wirtschaftsvorgänge der sagro egoismo entspricht. Und damit zur Charakterisierung eines Wortes von Kellermann, das unsere Gegensätzlichkeit am klarsten offenbart. Er sprach von einem harmonischen Verhältnis von Judentum und Weltkultur, das zu erreichen sei. Wie schwächlich und resigniert wäre das Judentum, wenn dem so wäre! Des Judentums Ziel ist die Durchdringung der Weltkultur mit den Grundsätzen religiöser und ethischer (nicht etwa jüdisch-konfessioneller!!) Denkweise, ihre Begründung auf der Voraussetzung des Gottesglaubens mit dem Ziele eine Verwirklichung der Ethik. Religion und Weltkultur dürfen nie und nimmer gleichgeordnete Faktoren sein, wobei noch nicht einmal die praktische Anmöglichkeit des Ausgleichs mit einem so variablen und uneinheitlichen Faktor, wie der der „Weltkultur" berücksichtigt werden soll. Das harmonische Verhältnis Herstellen, hieße unseren Messianismus begraben! Der Ruf nach objektivem Liberalismus ist der Ruf zur Selbstbesinnung, zur Rückkehr zum Judentum, heute wie stets führt der Subjektivismus mehr oder weniger ausgesprochen zum Judentum hinaus! Seien wir uns der Verantwortung bewußt, folgen wir der Sehnsucht, die in uns lebt, die uns gelehrt hat, das gefährlichen Treiben der subjektiven und relativen Juden zu überwinden. Seien wir positiver, gläubiger, religiöser, jüdischer! Unterdessen ist ein Antrag A p p e l - Aingen eingegangen: „Der Do.rstand der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands wird ersucht, die Abfassung eines populären Bibelkommentars in die Wege zu leiten. Grundsätze, Ziele und diejenigen Kollegen, die sich dieser Aufgabe widmen ^sollen,' w, Der überwies! Der Schlüsse uns? Die Versammlr batten auf einer standen und von Klärung .jüdischer heißen Sehnen nach Zeugnis ablegen, —- dieses nicht auseinandergehen, Rednern den herzlichsten Dank die ernsten, nachhaltigen AnrW von jedem einzelnen unter ihnen sind. Jeder von uns steht unter den? Bann dieser Verhandluügen als unteW großen inneren Erlebnis. Wenn ich, als Verhandlungsleiter, sachliche Debatte nicht eingegrisfen habe, sei es mir zum Schluß »erstattet, die geistig? Summe unserer Verhandlungen in einem kurzen zusammenfassenden Schlußwort zu ziehen und so unsere Verhandlungen mit einer persönlichen Note ausklingen zu lassen. Religiöse Erneuerung durch lebendiges Judentum, das war der Grundton, auf den unsere ganze Verhandlung gestimmt war. Gedankentiefe Untersuchungen über das Wesen des jüdischen Liberalismus, Über seine Irrungen und Amkehr, über die Notwendigkeit der Verschiebung des Schwergewichts vom Dogmatischen auf das lebendige Gemeinschaftsgefühl, schwerwiegende Anterscheidungen zwischen subjektivem und objektivem Liberalismus haben an die letzten Grenzfragen und seelischen Einstellungen des liberalen Judentums gerührt. Liberalismus ist die Freiheit, die die Menschen sich im Kamps errungen Haben gegenüber geschichtlichen Bindungen. Das ist die Grundtatsache des Liberalismus, die diesen von jeder Orthodoxie unterscheidet. Orthodoxie stellt sich, unter Preisgabe der freien Persönlichkeit, unter das traditionelle Gebot und Dogma. Sein Prinzip ist die Autorität, deren gesetzlicher und gedanklicher Forderung er sich beugt. Liberalismus ist die errungene Gewissensfreiheit und Gedankenfreiheit. Sein Prinzip ist die Autonomie, die Selbstgesetzgebung. In seiner ursprünglichen Bedeutung ist Liberalismus, so wenig wie Orthodoxie» eine Partei oder eine Richtung, sondern eine

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