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Liberales Judentum · 1922-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1922) · p. Seite 32

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Journal
Liberales Judentum
Volume
14 (1922)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 32 (sequence 32)
Language
German
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BEST AVAILABLE COPY nkfurt a. M. o o o 0 me als er die die tra- Senen unsere haben schon Imende der „Berste gesagt haben: eanscste I<enese8 i>LA- Rn scheneemar wajehi 5ar überall, Wo geschrieben kdeutet es eine Tragik." falismus ist vom letzten Dritsahrhunderts an auch durch die "Juden als ein Sturmwind gehst an allen alten Institutionen setzen gerüttelt. So entstand zunächst ZakuuM, eine reine Negation alles Iüen in den Kreisen derer, die davon erfaßt Irden. Der Liberalismus kann aber nach den Grundgesetzen historischer Entwicklung, die nach der tzegel'schen Formel der Thesis, Antithesis und Synthesis verläuft, bei der reinen Negation nicht stehen bleiben. Es kommt nach der ersten stürmischen Auflehnung die Zeit der Selbstbesinnung, die Erkenntnis, daß man sich auf einer absteigenden Linie bewegt, die zur Selbstauslösung der Gemeinschaft führt. Die gemeinschaftbildenden Triebe werden wach. Dann stellt sich der Liberalismus, nach Ueberwindung der aus den Uebergangszustand h»rvorgehenden krankhaften Störungen, dem instinktiven Trieb der Selbsterhaltung der Gemeinschaft folgend, freiwillig unter die selbstauferlegten Bindungen. In diesem Stadium wird der Liberalismus aus einer seelischen Einstellung ein Programm, eine Richtung, eine Partei. In dieser Phase der Entwicklung setzen die Reformen ein, die deshalb niemals ein Symptom religiöser Schwäche oder haltloser Assimilation sind, sondern stets als Zeichen wieder beginnender Gesundung zu werten sind. So haben die sogenannten Reformrabbiner eine lebendige Erneuerung des Gottesdienstes, des Religionsunterrichtes, teilweise auch des Religionsgesetzes auf Grund von Prinzipien, die der neuentstehenden Wissenschaft des Judentums entnommen waren, angestrebt. So haben sie den der Tradition entwachsenen Generationen, 'sowie denen, die sie für das Judentum zu verlieren fürchteten, neue Bindungen auferlegt, freiwillig zu übernehmende Bindungen, soweit diese sich mit der neu errungenen Gedanken- und Gewissensfreiheit und dem neuen Leben außerhalb des Ghettos vertrugen. Freiwillige Binduüg, aber keine Gesetzesreligton ist somit der Standpunkt des liberalen Judentums. Nicht Subjektivismus sondern Autonomie. Autonomie freilich, die nicht dem eigenen beliebigen Wollen folgt, sondern dem jüdischen, dem religiösen, dem ethischen Sollen sich als freie Persönlichkeit soweit unterwirft, daß dabei die Kontinuität des historischen Judentums u n d die freie Persönlichkeit, der Partikularismus des jüdischen Seins und der Universalismus des religiös-ethischen Sollens, das Irrationale des Arterhaltungsinstinktes. und „Vernunft und Wissenschaft" zu ihrem* Rechte kommen. Also ein Kompromiß, eine Synthese, wie in der Debatte richtig hervorgehoben wurde. . Das Irrationale, von dem ich eben gesprochen und von dem in den Verhandlungen heute und in den Diskussionen der ganzen letzten Zeit so viel die Rede geht, ist einerseits die demütige Anerkennung eines ver- Mndesmäßig nicht erfaßbaren Göttlichen, das Mr Offenbarung nennen, andererseits das wunderbar Unbegreifliche, Providentielle, das nach einer langen Zeit der Verlorenheit die Kinder unseres Volkes wieder heimkehren läßt zum Erbe ihrer Väter. Dieses Wunderbare, Große erkannt zu haben und zu hegen, zu fördern und zu fordern sei unsere, der liberalen Rabbiner, heilige Aufgabe. Denn wir sind zu Wächtern des religiösen Erbguts berufen und wollen „Wegebahner und Rissevermaurer" genannt werden. Daß wir in diesem Sinne unser verantwortungsvolles, heiliges Amt verwalten, dazu möge diese Versammlung beigetragen haben. — Ich schließe die Versammlung. Dr. Kellermann-Berlin spricht dem Vorsitzenden den Dank der Anwesenden für die Führung der Verhandlungen aus. Schluß der Versammlung nach 3 Uhr nachmittags. HernuSgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstrabe 22. Für die Schriftleilung und den Verlag verantwortlich t)r. E. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. LN. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Fr^skfursa. M., Bieber-Gasse 6.

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