Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 14 (1922)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Q O O O F-» . - ' Dr. Goldmann Leipzig D M Denn Symbole, denen man durch Nicht- Beachtung die Wirksamkeit nimmt, sind eine eontrackictio! U- Lewkowitz's Ausführungen galten? f nicht den meinen, sie richteten sich namentlich y! gegen Kellermann und Wiener. Nur einer Anschauung möchte ich energisch entgegentreten. | Lewkowitz sprach von der Offenbarung £‘-■ und lehnte jeden Supranaturalismus jV ab. Er bezeichnet« die Offenbarung als etwas Immanentes in den regelmäßigen Erschei- ' nüngen der Natur, des Sittengesetzes, der - seelischen Empfindungen. In solcher Anschau- UPg verbirgt sich aber lediglich rationaler Deismus, und Kellermann und Lewkowitz stehen gar nicht so unendlich weit auseinander. Religiöses Judentum steht und ■?,- fällt mit dem Glauben an eine supranaturalistische Offenbarung. In . ihr berühren sich Zeit und Ewigkeit. Orthodoxie und Liberalismus mögen auseinandergehen in der Bewertung der historischen Erscheinungen der sinaitischen Offenbarung. In der Anerkennung der Tatsache selbst stimmen sie überein. Wenn Lewkowitz den überragenden Wert der Individualreligiosität betont hat und hierin einen Gegensatz zu dem von mir -- geschilderten objektiven Liberalismus erblickt, so ist zu erwidern, daß dem nicht so ist. Denn auch das starrste System bedarf der Individualreligiosität zur Verwirklichung. Das Judentum gibt dem Individualismus freie Betätigungsmöglichkeit auf dem unendlichen ~ Felde der Ethik, nicht aber auf dem der G estaltung des Glaubens. Hier wird der Individualismus folgerichtig zum Subjektivismus, der nur destruktiv wirkt. Lewkowitzs Satz, daß der Mensch selber die religiöse Norm darstelle, ist der historischen jüdischen Anschauung so entgegengesetzt wie nur irgend möglich. Selbstüberwindung, freiwillige Nnkerwerfung unter die Glaubensanschauungerl der Gesamtheit, ist umsomehr unerläßliche Forderung, als die Annahme einer Norm in der Menschenseele lediglich auf Umwegen anderen Kulturideen Eingang verschaffen würde, da der Mensch nicht aus seinem Innern unbeeinflußt und genuin schafft. In die Diskussion spielte das Verhältnis von Orthodoxie und Liberalismus- . hinein. Hier hat man die politischest Parteien mit den Bewegungen verwechselt. Daß man in Frankfurt und Fulda jeden Liberalismus für ketzerisch hält llnd gegen das liberale Judentum allwöchentlich den großen Bannfluch schleudert, weiß ich wohl. Da aber die Unfehlbarkeit der Friedberger Anlage noch nicht zu den unbestrittenen Dogmen der jüdischen Religion gehört, sei daran erinnert, daß man anderswo anders denkt. Ich betone nochmals, daß Orthodoxie und Liberalismus nicht prinzipielle, sondern methodische Differenzen sind, sie beginnen weit unterhalb der Sphäre des Glaubens an den transzendenten'persönlichen Gott, an die göttliche Offenbarung und die Anerkennung des Gesetzes. Es sagte mir ein älterer Kollege vor Beginn der heutigen Versammlung, wir seien alle positiver geworden, und es ist ja ein öffentliches Geheimnis, daß man gerade von ihr einen starken Zug nach rechts erwartet hat. Man sage statt „positive r“ lieber „o bj e k t i v e r" und man hat Sehnsucht und Richtung charakterisiert. Die Richtlinien waren ein Schlag ins Wasser, nicht weil ihnen innerlich jüdische Gesinnung und religiöser Wille mangelte, sondern ^weil sie dem wuchernden Subjektivismus des Laientums unerträglich wurden. Der Posener Beschluß, der sie ablehnte, ist die ms§n3 Charta des destruktiven Subjektivismus und seit jener- Zeit haben unter den liberalen Rabbinern immer mehr erkannt, wohin der Weg geht. Werden wir also ruhig objektiver und damit positiver und scheuen wir doch den Vorwurf nicht, daß wir damit „orthodoxer"werden! Es ist ein beliebtes Mittel des Kampfes, daß man den Gegner gruselig zu machen versucht. Ich und viele andere mit mir haben es verlernt, sich vor dem Worte „Orthodoxie" derart zu fürchten, daß wir um seiner unleugbaren methodischen Verirrungen willen seine sachlichen Wahrheitsmomente verkennen. Wir haben eine Jugendbewegung, deren wir uns freuen dürfen. Wer aber sind die Glieder dieser Vereinigungen? Nicht dr-e Söhne und Töchter der Liberalen! Die stehen ganz anders wo, und wenp sie, was nicht allzuhäufig ist, jüdischen Sinn überhaupt haben, stehen sie im na« tional-jüDischen Lager! Der politische deutsche Zionismus, der unsere intellektuelle Jugend erfaßte, hat eine Zeit lang lediglich vön der Schwäche des haltlosen religiösen Sub-