Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 14 (1922)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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PU "J'i» ILlälllUp *will .11 W1I-,"».K^AMWWt.. J ••FW*’*«® 26 Dr. Wiener Stettin erfolg unserer religiösen Bewegung gesprochen und der Kollege Fuchs sich za der Behauptung verstiegen hat, daß der jüdische Liberalismus ■7nichts geleistet habe, so erfordert eine solche , Art von Selbstkritik eine entschiedene Zurückweisung. Wir haben wahrlich nicht mehr nötig, zu , betonen, daß unser jüdischer Liberalismus eine durchaus positiv-religiöse Bewegung ist; denn darüber lassen unsere „Richtlinien" für keinen verständigen Beurteiler den geringsten Zweifel übrig. Unser Programm baut sich unverkennbar auf der geschichtlichen Entwicklung der ^_Ideen, Institutionen und Lebensformen des - Judentums auf; es macht den Tausenden und . Äbertausenden deutscher Juden, welche ihrer angestammten Religion mit Herz und Seele treu anhängen wollen, aber Mvohl die Orthodoxie als auch den Zionismus bestimmt ablehnen, den innigen Anschluß und die opferwillige Hingabe an die gesamte Stammes- * und Glaubensgemeinschaft zu einer heiligen Pflicht; es stellt eine Reihe von religiösen " Mindestforderungen als unerläßlich fest und verlangt von jedem Bekenner des liberalen Judentums die gewissenhafte Prüfung und Entscheidung hinsichtlich der religiösen Ver- . Kindlichkeit der Zeremonialvorschriften für sein persönliches und familiäres Leben. Wir sollten uns hüten, an diesen bewährten Grundlagen unserer religiösen Bewegung zu rütteln; wohl aber bedürfen die knapp formulierten programmatischen Sähe unserer „Richtlinien" einer tieferen Begründung und weiteren Ausführung in volkstümlichen, Geist und Gemüt anregenden Einzeldarstellungen, um die leider immer noch viel zu lauen und lässigen Mitläufer in^ warmherzige, gesinnungstreue und tatbereite Anhänger des liberalen Judentums umzuwcknöeln. Nach diesem Ziele sollten wir alle gemeinsam mit unserer besten Kraft hinstreben, statt uns durch eine übertriebene Selbstkritik, die nur Entmutigung und Verwirrung in unsere Reihen hineintragen kann, den Boden streitig zu machen, auf dem das liberale Judentum seit mehr als hundert Jahren steht. Aber diese Selbstkritik wird auch durch die Erscheinungen des gesamten jüdischen Lebens der letzten Jahrzehnte, und der Gegenwart nicht blos nicht gerechtfertigt, sondern geradezu widerlegt. Ich will nur darauf Hinweisen, daß die großen Verbände, welche die deutsche Iudenheit zu energischer Förderung ihrer politischen, kulturellen und sozialen Aufgaben zusammenfassen, 8ie Bnebris - Logen, der D. I. G. B., der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Verband der deutschen Juden, die Gesellschaft, zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Hilfsverein der deutschen Juden, die Zentralwohlfahrtsstelle und zuletzt noch die Gesamtorganisation, von liberalen Juden geschaffen worden sind, und zwar manche von ihnen unter schweren Kämpfen gegen die Sonderbestrebungen anderer jüdischer Parteien. Wir dürfen doch wohl die gewaltige Arbeit, welche zum größten Teil von den liberalgesinnten Führern dieser Verbände für das Judentum geleistet wird, nicht unterschätzen. Es bleibt gewiß in unserem liberalen Judentum noch vieles zu tun und zu bessern übrig, um die Massen zu intensiverer religiöser Betätigung zu bewegen. Wir müssen die historischen und symbolischen Werte unserer Religion in Synagoge und Schule, in Vorträgen und Schriften eifriger propagieren, dann wird es uns auch gelingen, nicht blos die Jugend, die sich unseren Ideen schon jetzt mit wahrer Begeisterung zuwendet, festzuhalten, sondern auch die große Zahl von Männern und Frauen, die sich aus dem öden Indifserentismus heraussehnen, zu gewinnen für den Aufbau eines jüdisch-religiösen Lebens in Schönheit und Freiheit. Dr. Kellermann-Berlin wünscht die Veröffentlichung der, Verhandlungen in ausführlicher Weise. Die Versammlung stimmt dem' zu. - Dr, Wiener - Stettin (Schlußwort): Meine Herren, da ich in diesem Schlußwort unmöglich allen Nuancen und Wendungen dieser mehrstündigen Diskussion mich einstigen kann, so sei nur dasjenige gesagt," was zur Klärung und Verdeutlichung der in meinem Referat ausgesprochenen Ansichten zu dienen vermag. Meine Ausführungen hatten den Siny, in schärfster Weise den Fehler zu unterstreichen, den, wie mir scheint, die liberal sich nennende Theorie von der jüdischen Religion begeht, sofern es überhaupt eine solche Theorie gibt und der Liberalismus nicht vielmehr in bloß vagen Stimmungen und Empfindungen besteht, in bloßer Unzufriedenheit und Mißbehagen gegenüber der Starr-