Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 87 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau: treuer Freund und hochgeschätzter Mitarbeiter. Geboren aut 31. Januar 1859 zu Kanitz in Mähren, ein Nachkomme talmudisch gelehrter Ahnen, lernte er in der Ieschiwah zu Kanitz, wo er den Grund zu seinem immensen jüdischen -Wissen legte. Nach dem Besuch des Gymnasiums, zu Nikolsburg und des Breslauer jüdisch-theologischen Seminars und der Universitäten Breslau und Bonn wurde er als Lehrer des jüdischen Rechts nach Brünn, spater als Rabbiner nach Brüx und im Jahre 1891 als Professor für Geschichte an das Hebren' Union College in Cincinnati berufen. Ausgezeichnete historische Arbeiten» zahllose Artikel in amerikanischen und deutschen Zeitschriften entstammen seiner Feder. Seine Belesenheit vor allem auf jüdisch-historischem Gebiete war staunenswert. Er war einer der Hattptmitarbeiter der Jewish Encyclopaedia. Bücherfdum. May, Rabb. Dr. B.: Das Heiligkeitsbuch. Bibel-Lese,buch zum dritten Buch Mose. 92 S. Frankfurt a. M., I. Kaüffmann. 1921. Kart.^Mk. 18.20. An eitter modernen Bibelerklärung fehlt es dem Judentum; vor allem für den Religionsunterricht. Das verättderte Weltbild, die neu gewonnenen historischen Erkenntnisse, die Religionswissenschaft und Religionsphilosophie, die Stellung. des Judentums unter den Völkern haben neue Probleme und Notwendigkeiten geboren, denen eine Bibelerklärung gerecht werden muß, wenn sie dem heutigen Bibelleser etwas 3tt sagen haben will. Lehrer und Schüler suchten vergeblich nach einem Buch, das sie in das moderne wissenschaftliche Verständnis des Bibeltextes einführte und das zugleich, wie Raschis Bibelkommentar, dem Gemüt, der Phantasie, dem ästhetischen Bedürfnis Rechnung trug. Mit hoher Freude ist darum das May'sche Buch zu begrüßen, das einen ersten glanzend gelungenen Versuch darstellt, den Sinn und die Seele des Bibelwortes, von echt jüdischem Standpunkt aus, dem jungen Geschlecht zu erschließen. Auf der Höhe wissenschaftlicher Forschung stehend ist es mit blutwarmem jüdischem Herzen geschrieben. Gründliche Beherrschung der philosophischen, religionswissenschaftlichen, re-- ligionsgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen Literatur, wie auch der jüdischen Quellen, verbinden sich mit hinreißender Begeisterung und heißer Liebe zum Judentum, die ihres Erfolges auf die empfängliche Seele gewiß ist. Der Verfasser hat — davon zeugt jede Seite seines Buches — schwer gerungen mit allen Problemen, Gedanken, ja fast mit jedem bedeutsamen Wort, das seine Prägung im Wandel der Zeit verloren hat, und dessen ursprünglichen Gedankengehalt er sich wieder nett erringt. „Heiligkeit", „Ehrfurcht", „Arbeit", „Ruhe" werden bis in ihre letzte - begriffliche Tiefe verfolgt und aufgehellt. Kurze Wendungen sind oft letzte Resultate eindringlichster Denkarbeit oder bewundernswerter Belesenheit in der alten und neuesten einschlägigen Literatur. Die brennendsten völkerrechtlichen, staatlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Probleme, die die neue Menschheit aufrühreNj werden an der Hand des Bibelwortes großzügig aufgerollt, durch anschauliche Gegenüberstellung beleuchtet, plastisch herausgearbeitet, gewürdigt. Und strahlend, wie Mittagshelle, bricht der göttliche Geist der Thora hervor. So gestaltet sich, unter der Hand des Führers, das Buch zu einer einzigartigen Apologie des Judentums. Das Buch ist nicht frei von Mangeln. Es hat weder die Systematik eines Religionsbuches, noch ist es ein fortlaufender Kommentar, das das Bibelwort Satz für Satz begleitet/ Es strebt eine freie thematische Behandlung der Kapitel 18—27 des 3. Buches Moses an und sucht die Themata logisch zu verbinden. Dieses Verfahren aber trägt eine Unruhe und Verwirrung in das Bibellesen. Der Leser weiß nie recht, wo er hält, er verliert den Faden. Die Disposition ist weder streng logisch noch gerechtfertigt durch das biblische Nacheinander. — Bisweilen will der Verfasser zu viel beweisen und beweist darum zu wenig. An einzelnen Stellen verfällt er in eine nicht ganz gerechte Polemik. Auch ist zuviel gesuchte homiletische Symbolik in dem Buche. — Daß freimütigste Anschauungen und naiver Bibelglaube dicht nebeneinander stehe«.