Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 88 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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J- Stimm ' Bücherschaü stört mich nicht. Der Verfasser ist eine unabhängige religiöse Persönlichkeit, die sich keiner Partei und Richtung verschreibt, treu und frei. Wir empfehlen das ausgezeichnete, vom Verlag gut ausgestattete Büchlein aufs wärmste allen Religionslehrern, allen denkenden Bibellesern, allen Gottsuchern, allen, die nach der Wahrheit des Judentums ringen. Dr. C. Selig mann. Marcus, Ernst: Kants Weltgebäude. 268 S. München, Ernst Reinhardt ’ 1920V br. Mk. 11.25, ge6: Mk. 15.—. Ansre dem Irrationalen ergebene Zeit bedarf in ganz besonderem Maße des Festen, Sicheren, Unumstößlichen, sonst droht bei dem Widerstreit der Meinungen alles wankend zu werden. Auf der ewigen Gültigkeit unsrer Zahlenlehre z. B. baut sich unser ganzes praktisches Leben auf. Wäre 2x2 eines schönen Tages" nicht mehr gleich 4, so bedeutete das das Chaos. In noch viel weitergehendem Sinne baut sich nun unsre gesamte Wissenschäft auf einem Fundamente auf, das in seiner Allgemeingültigkeit und Unbedingtheit jede Wissenschaft, ja alles Denken und Handeln überhaupt zuerst möglich macht. Dieses Fundament ist von Kant nicht nur entdeckt, sondern genau in allen seinen Teilen und Verhältnissen erkannt und beschrieben, ja noch mehr: auch die Struktur des Weltgebäudes, das sich auf ihm erheben soll, eindeutig und sicher festgestellt worden. Mit einem eigentümlichen Gemjsch von Bewunderung und Grauen wird heute der Name des Mannes genannt, dem solches gelang, und wer ernsthaft zu fordern wagte, das Werk Kants müsse ebenso Gemeingut der Menschheit werden wie etwa die Lehre Kopernikus, würde verlacht als Narr und Phantast. Und doch — dieses Odium nicht scheuend — kämpft heute ein Mann knit dem heiligen Pathos der Ueberzeugung um die Äln- ' erkennung der Lehre seines Meisters. Aber kein Kant-Ausleger ist Ernst Marcus, sondern ein Wiederentdecker. In seinen Schriften, in denen er die! Kantische Philosophie darstellt, haben wir durchaus originelle Schöpfungen vor uns: | Es ist ihm gelungen, in flüssiger und packender auch für philosophisch wenig Vorgebildete unschwer verständlicher Darstellung die wunderbare und gewaltige Lehre Kants lebendig erstehen zu lassen. Praktische, aus dem alltäglichen Leben genommene Beispiele — wie sie nur einer geben kann, der die theoretische Grundlage bis zu ihren äußersten Konsequenzen verfolgt und als richtig erkannt hat, — beleuchten überall mit ihrem Hellen Licht das Dunkel der abstrakten Darstellung Kants. In dem Buche „Kants Weltgebäude" gibt uns der Verfasser eine solche „populäre" Darstellung des wesentlichen Inhalts der „Kritik". ' 1 Die Idealität von Raum und Zeit, das Erkenntnisproblem und das System der Kategorien, die Willensfreiheit und der kategorische Imperativ mit seinen praktisch-ethischen Konsequenzen, all dies gewinnt unter der Feder von Ernst Marcus für den, der das Buch liest, ungeahnte Lebendigkeit' und- Gewalt! Es ist eine Lektüre, die innerlich aufrütteln muß. — Gehet hin und leset!— Marcus, Ern st: Das Erkenntnisproblem. 98 S. Berlin W. 9, V e r l. D e r S t u r m 1919-, br. Mk. 6. -. In witziger, geistsprühender — dennoch von hohem sittlichen Ernst getragener Weise wird die monumentale Größe und Einheit der Kantischen Philosophie gegenüber der Meinung der „Kantkenner" herausgestellt. Als Repräsentant dient das sogenannte „Erkenntnisproblem" (wie gelangen wir zur Kenntnis der jenseits unsrer Empfindungen - liegenden Körper und eng verbunden damit: woher kommt unser unbedingter Glauben an die überall, und ewige Gültigkeit des Kausalgesetzes). Das Problem wird in seiner ganzen Tiefe und Bedeutung für die Menschheit historisch und wesenhast aufgerollt, und es wird gezeigt, wie solche Probleme nicht roh mit Hammer und Meisel behandelt werden dürfen (sonst zerschlägt man fie); sondern wie die graphische Kunst mit der Radiernadel, so muß das Philosophieren betrieben werden. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Schriftleitung und den Verlich verantworttich vr. C. Seligmann, Frankfurt«. M, Friedrichstr. 39 Druck und Expedition von Böigt & Gleiber, Frankfurt a. M., Hieber-Gaffe 6. -