Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 86 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Stiftungsfest des Freisinnigen Vereins füv jüdisches-Gememdeleben in Frankfmt a. M H III. Generalsekretär und Redakteur. Die Versammlung beauftragtden Vorsitzenden, einen Herrn für dieses Amt vorzuschlagen. Dr. Geiger, Frankfurt a. M., widerspricht der Personalunion von Generalsekretär und Redakteur. Frau Iustizrat Dormitzer, Nürnberg, glaubt, daß aus finanziellen Gründen die Persorzalunioneinigung notwendig sei. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden wird die Sitzung geschlossen. Berlin, den 22. November 1921. gez.: Heinrich Stern, Vorsitzender, gez.: Dr. I. L. Seligsohn, Schriftführer. Am 2. Dezember dieses Jahres beging der Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben zu Frankfurt a. M. sein 30jähriges Stiftungsfest. Am Abend dieses Tages, der aus Freitag siel, gedachten die Rabbiner Dr. Seligmann und Dr. Lazarus in der Hauptsynagoge und der Synagoge an der Königsteinerstraße dieses Tages in ihren Predigten, zu denen die freisinnigen Mitglieder des Vorstandes und der Gemeindevertretung vollzählig erschienen waren. Eine festliche Weihe durchwehte die gefüllten Gotteshäuser. Aus den Predigten klang der Dank und die Anerkennung für die segensreiche und . an Erfolgen reiche Tätigkeit des Vereins für das Frankfurter Gemeindeleben und darüber hinaus für das Aufblühen des liberalen Lebens in den deutschen Gemeinden während des letzten Menschenalters. Denn vom Frank-- furter Verein, der als erster derartiger Gemeindeverein in Deutschland entstanden war, ging die Anregung zur Begründung ähnlicher Vereine in.den jüdischen Großgemeinden und aus diesen Vereinen organisch erwachsend die große Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland hervor. Auch "die neue Frankfurter Gemeindeverfassung, die gleichfalls vorbildlich für viele deutsche Gemeinden wurde, geht auf die schon fast drei Jahrzehnte zurückliegende Anregung des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben zurück. Die außergottesdienstliche offizielle Feier des Stiftungsfestes fand am Donnerstag, den 8. Dezember, abends 7 Ahr im großen Saale der Loge „Zur Einigkeit" statt und nahm einen erhebenden Verlauf. Eine akademische Feier bildete den Auftakt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden, .Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger, in welcher der Vorsitzende die Abhaltung der ungewöhnlichen Stiftungsfeier am 30. Jahrestag mit dem Hinweis darauf begründete, daß. der 25. Iah-, restag in die schlimmste Kriegszeit fiel, in der sich jede derartige Feier von selbst, verbot, hielt Iustizrat Dr. -Auerbach die Festrede, die nach einem historischen Rückblick auf die Entstehung, die Bestrebungen und die Erfolge des Vereins in einen Ausblick auf die Zukunft und die Hoffnungen und Erwartungen, die der Verein von der Zukunft und ihren Trägern hegt, mündete. Eine zweite Ansprache, gleichfalls ein Rückblick auf die religiösen und gemeinde-- politischen Strömungen, aus denen der Verein hervorging, aber diese Strömungen zum Teil in einem ganz anderen Lichte schauend, als der erste Festredner, hielt der erste Vorsitzende des Vorstands der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt, Iustizrat Dr. Blaueiner der Wenigen, die vor- 30 Jahren an der Wiege des Vereins standen. Hierauf folgten die Begrüßungen. Dr^ Eduard Baerwald brachte die Grüße des Gemeindevorstandes und der Liberalen Kultuskommission, Dr. Merzbach beglückwünschte den Verein im Namen der Gemeindevertretung und der Liberalen Fraktion. Gruß und Glückwunsch von seiten des Frankfurter Rabbinats und zugleich von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland entbot Rabbiner Dr. Seligmann. Im Auftrag des Syna-. gogenvorstandes der Synagoge an der Königsteinerstraße sprach Herr Landsberg, im Auf- . trag des Synagogenvereins Hauptsynagoge Herr Henry Rothschild, im Auftrag des jüdisch-liberalen Iugendvereins Herr Dr. Erwin Seligmann. Allen Rednern dankte der Vorsitzende in herzlichen Worten. Von künstlerischen, musikalischen und gesanglichen Darbietungen. waren die Ansprachen und Begrüßungen umrahmt. Einen schweren Verlust erlitt das liberale Judentum durch das Hinscheiden eines seiner gelehrtesten und charaktervollsten Vertreter, des Professors an der jüdisch-theologischen Hochschule in Cincinnati,, D r. .Gotthard Deutsch. Er war uns -ein