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Liberales Judentum · 1921-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1921) · p. Seite 77

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1921)
Date
1921-10-01
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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Ein deutscher Jude 77 und als Kulturkraft, an seinem Teile für die Sicherung des Fortbestandes dieser Religion, welche die seinige ist, mitzuarbeiten als seine Aufgabe erkennen; als eine Aufgabe, die ebenso sehr die seiner Kulturarbeit, wie die seiner lebendigen persönlichen Religiosität ist." Oder, um das wichtigste von Cohens Forderung aus. seiner hohen und dunklen Sprache in eine verständlichere zu übertragen: Jeder Jude, der sich überhaupt' eine ^Kulturaufgabe stellt, muß diese in doppelter Richtung zu erfassen sich bemühen. Es muß ihm als Ziel gelten, einmal sich an der allgemeinen Kulturarbeit aus seinem jüdischen Geiste heraus zu beteiligen, dann aber auch oder vielmehr zugleich damit die Arbeit am Judentum im Geiste der allgemeinen Kultur mitzuverrichten. Durch diese sich gegenseitig durchdringende zwiefache Betätigung wird er zu jener Harmonie gelangen, die von der nationalen Doktrin sehr zu Unrecht und sehr zum Schaden unserer allgemein-menschlichen und darum auch unserer jüdischen Entwicklung trotz dem leuchtenden Gegenbeispiel Cohens geleugnet wird. Denn die Erklärung, wonach man diesen als eine übergewaltige Ausnahmserscheinung aus dem ' Zusammenhang mit der Gemeinschaft, der er sein bestes gegeben, herauszuheben versucht, diese Erklärung würde, aus alle unsere großen Führer zum Ideal angewendet, die Alleinherrschaft der Kleinen und damit allerdings eine Harmonie bedeuten, die mit dem Wesen eines Iisroel als eines ewig Ringenden nichts mehr zu tun. hat. Damit hätte uns die besondere Forderung hinsichtlich der hebräischen Sprache innerhalb der Grenzen ihrer religiösen Bedeutung wieder zu unserem allgemeinen Ziele zurückgeführt. Denn alles Bestreben des liberalem Judentums ist letzten Endes daraus gerichtet» die Gegenwart mit der Vergangenheit» das Leben mit der Ueberlieferung, die. Freiheit mit der Treue zu verbinden und so das uns von unseren Vätern ererbte Judentum immer' wieder aufs neue zu erwerben, damit es ein lebendiger Besitz für jedes Geschlecht werde. 3n erster Linie steht aber dabei immer wieder das Eine: der Gott, der unsere Seele: erfüllt» muß wieder unser Gott, die Vorstellung, die wir uns von ihm machen, muß. unserem Denken und Empfinden gemäß feint Wenn wir dann an der Hand unseres klassischen Schrifttums erkennen, wie Israel von seinen ersten Anfängen an mit seinem Gotte gerungen, wie ein jedes Geschlecht sich seinen Gott immer wieder von neuem zu eigen gemacht hat, bis unsere großen Propheten jene Idee Gottes verkündeten, über die hinaus ein sittlich-religiöser Fortschritt überhaupt nicht mehr möglich ist, dann werden wir mit freudiger Genugtuung in jenem unserem Gotte den Gott unserer Väter, den Gott Abrahams». Isaaks und Jakobs wieder erkennen, dann werden wir in die Worte, mit denen wir diesen Gott anrufen, wieder unsere ganze Seele: zu legen imstande sein. Denn diese Worte:- „Unser Gott und Gott unserer Väter",- sie umschließen in ihrer monumentalen Kürze nichts mehr und nichts weniger als das Programm des liberalen Judentums! €in deutfcher Jude. Ich bin ein deutscher Jude, d. h. ein Deutscher jüdischen Glaubens, also Jude und Deutscher. Das letztere leugnen die Antisemiten, das erste die jüdischen Orthodoxen: diese wollen michnicht für einen Juden, jene nicht für einen Deutschen halten. Beide sind im Unrecht. Denn die.Anti-, semiten haben eine eben so beschränkte und darum falsche Ansicht von einem Deutschen, wie unsere Orthodoxen von einem Juden. Was beide an mir bemängeln, ist also nur eine Folge ihrer eigenen Beschränktheit. - Wieso bin ich ein Deutscher? Der große Patriot E. M. Arndt sagt: „Wo das erste Menschenauge sich liebend Überbeine Wiege neigte, wo deine Mutier dich zuerst mit Freuden auf dem Schoße trug und dein Vater dir zuerst die Lehren der Weisheit ins Herz grub, da ist deine Liebe», da. ist dein Vaterland." Wir wollen hinzufügen: das Land, in dessen Erde unsere Väter und die für das Vaterland gefallenen Brüder und Söhne schlummern; das Land, dessen Sprache: wir sprechen und dessen Kultur wir in uns ausgenommen haben; das Land, für dessen- Wohlfahrt und Gedeihen wir mit allen un--

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