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Liberales Judentum · 1921-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1921) · p. Seite 69

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1921)
Date
1921-10-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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ZZ Rabb. Dr. Blumenthal-Berlin: Aus der Gedächtnisrede für Rabbiner Dr. Hochfeld 69 Belehrung von seinem Munde suchten. .Es war-ihm aber auch vergönnt, an der „Hoch-' Mule", die einst den Grund zu seinem jüdischen Wissen gelegt hatte, die Methodik des Mischen Religionsunterrichtes vorzutragen mnd den künftigen Iugendbildnern die Wege »ufzuzeigen, auf denen die ewigen Wahrheiten der.-angestammten Religion anschaulich, eindringlich und nachhaltig gelehrt werden können. Diesem seinem Lebenswerke widmete er jede freie Stunde. Wir müssen es tief beklagen, daß er dieses groß angelegte Werk Nicht mehr hat -vollenden können, dürfen uns -aber mit der Hoffnung trösten, daß die in seinen Vorlesungen ausgestreute Saat sich ge-' deihlich entwickeln wird. Die reifsten Früchte seines Forschens und Denkens hat der Verewigte als Verkünder des Gotteswortes seiner zur Andacht versammelten Gemeinde dargeboten. Auf der Kanzel fühlte er-sich in Wahrheit als einen Boten des Ewigen der Heerscharen, als einen von Gott berufenen Priester. Rur was sich ihm in eifriger Arbeit als unumstößliche Gewißheit ergehen hatte und was er selbst im Leben vertreten konnte, wollte er lehren. Wie er es vor. nahezu 14 Jahren in seiner hiesigen An- Irittspredigt ausgesprochen, sollte seine Verkündung des Gotteswortes dem jüdischen Ideale der Gerechtigkeit dienen, jener Gerechtigkeit, die sich auf die Wahrheit gründet und in den Frieden mündet. Die „Kinderpredigten", die er in seiner ersten Gemeinde gehalten und veröffentlicht, zeigen ihm uns als - den väterlichen Freund der Jugend, in Deren empfänglich Herz er jüdische Gesinnung zu pflanzen bemüht ist: Ehrfurcht vor Gott und Gehorsam gegen seine Gebote, Lerneifer und Familiensinn, Pflichtbewußtsein und Glaubenstreue. Seine „Kriegspredigten" atmen die harmonische Vereinigung von Deutschtum und Judentum und sind erfüllt von jener schlichten Herzensfrömmigkeit, der das Vaterland nicht minder heilig ist als die Religion. Gr wird nicht, müde, zu mahnen und zu trösten. Ein echter Priester und treuer Seelforger, nimmt er an den Hoffnungen und Befürchtungen seiner Gemeinde innigen Anteil,. sucht sie aber vor allem in ihrem Gottvertrauen, in ihrem Glauben an den Sieg des Guten zu stärken und zu treuem Ausharren in schwerer Zeit zu ermuntern. Der Ausgang und die traurigen Folgen des Krieges haben freilich ihn wie uns alle bitter enttäuscht. Daß die von uns auf dem Altäre des Vaterlandes heldenmütig dargebrachten Opfer so schnell vergessen, so schmählich geleugnet' und mit so schnödem Undank vergolten werden konnten, erfüllte sein Herz mit gerechtem Unmut, aber die Hoffnung auf den guten Geist des deutschen Volkes, der diese- Krankheit bald überwinden werde, hielt ihn aufrecht. Wenn ein heiliger Gott über den Menschen waltet, dann dürfen Haß, Lüge und Unrecht nicht das letzte Wort behalten. Wahr und klar, ruhig und sicher, kunstvoll, aber nicht gekünstelt, sttömte die 'got-- tesdienstliche Rede unseres Verklärten hin, jede bloß augenblickliche Wirkung verschmähend. Nicht um den Beifall der Menge war es ihm zu tun, sondern um die Erleuchtung des Geistes seiner Zuhörer durch sinnige Anwendung des Bibelwortes auf die Erscheinungen und Fragen der Gegenwart. Rein und lauter war seine Sprache,, wohlgeordnet und durchsichtig der Aufbau seiner Predigten. Verständig und verständlich reihten sich die Sätze eng aneinander; alles steuerte geraden Weges auf den-Zielsatz hin, den es der Gemeinde einzuprägen galt. Sorgsam war der Schweiß der Arbeit hinweggewischt, und die Einfach-, heit wurde zum Zeugnis der Wahrheit und der Schönheit. Was unser Freund gelehrt, das hat er auch gelebt. Sein Priestertum vollendete sich in seinem Menschentum. Den Mühseligen und Beladenen, die ihn aufsuchten, war er . ein treuer Berater und williger Helfer. Freudig stellte er seine Kraft in den Dienst ge-, meinnützig,er Bestrebungen. Dem studentischen Verein, in welchem er einst als Jüngling frohe Stunden durchlebt hatte, bewahrte er^ eine dankbare Erinnerung. Dem Bruderbünde," der die Pflege der Wohltättgkeit, Menschenliebe und Eintracht auf seine Fahne geschrieben, und in dem er an führender Stelle mitarbeitete, hing er in Treue an. Er förderte die Veredlung des Gottesdienstes unserer Gemeinde mit feinsinnigem Verständnis und bot auch in seinem Hause den Freunden, die er zu edler Geselligkeit um sich scharte» wahre Feierstunden durch die Kunst der Töne, die er als ein teures Erbe seines Vaters liebevoll pflegte und übte. - So hat der Verewigte vor und mit uns gelebt und , gestrebt, erfülltvon der Heiligkeit

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