Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Rabb. Dr. Blumenthal-Berlin: Aus der Gedächtnisrede für Rabbiner Dr. Hochfeld Hi Aber nicht in dieser Lieblingsschöpfung erschöpfte sich Breslauers vielseitige Tätigkeit. Er war einer der fleißigsten Arbeiter der deutschen Iudenheiteiner jener-rastlos und unermüdlich Schaffenden, denen man immer neue Lasten auferlegt und die sie, trotz aller Ueberlastung, immer wieder wie eine Selbstverständlichkeit auf sich nehmen und mit einer Gewissenhaftigkeit, für die keine Bewunderung groß genug ist, erfüllen. 3m Verband der Deutschen Juden, in vielen anderen Organisationen» in der Verwaltung der Berliner jüdischen Gemeinde, zuletzt in deren Vorstand, in zahllosen Vereinen für soziale Fürsorge, als vielbeschäftigter Rechtsanwalt und Notar, auch in wertvoller literarischer Arbeit, von der nur die im Auftrag des Verbandes der Deutschen Juden herausgegebene Denkschrift: „Ueber die Zurücksetzung der Juden an den Universitäten Deutschlands" hervorgehoben sei, war Breslauer unermüdlich tätig. Ein tiefes Bedauern ging durch unsere Reihen , und hält uns noch heute in seinem Bann, als Breslauer vor Jahren aus Rücksicht auf seine damals stark angegriffene Gesundheit alle seiner Aemter niederlegte. Seitdem ist er unser Ehrenvorsitzender geworden, unser guter Berater und getreuer Eckart. Möge dem verdienten Mann, den wir geistig noch immer zu den Jungen zählen, im Kreise seiner Lieben, im Bewußtsein der Verehrung, die ihm von uns entgegengebracht wird, noch ein langer ungetrübter Lebensabend beschieden sein. Bus der Gedächtnisrede für Herrn Rabbiner Dr. nochfeld, gehalten in der Synagoge Lützowstraße am 14. August d. F. Von Rabbiner Dr. Blümenthal. Durch Begabung und Erziehung fühlte der Verklärte sich zu dem heiligen Lehramte berufen und war tief durchdrungen von der Größe der Verantwortung und von der Vielgestaltigkeit der Aufgaben, die Gott mit diesem Amte ihm auf die Schultern gelegt. Darum widmete er.sich mit redlichem Fleiße, mit einem - Ernste, den keine Mühe bleichte, der wissenschaftlichen Erforschung der Quellenschriften des Judentums und' bemühte sich, seinen Werde- und Entwicklungsgang" im Zusammenhänge mit der allgemeinen Kulturgeschichte der Menschheit immer klarer und gründlicher zu erkennen. „Die Lippen des Priesters sollen die Erkenntnis bewahren." Das war das Hochziel seines Strebens als Forscher und Denker. Erkenntnis war ihm mehr als bloße Kenntnis, mehr 'als Anhäufung vereinzelten Wissens^ sie bedeutete ihm ein immer tieferes Eindringen in Wesen und Geist des Judentums, die Zusammenfassung seiner ewigen Wahrheiten und seiner zeitlichen Lebensformen zu einer in sich geschlossenen, .harmonischen, Geist und Gemüt in gleicher Weise befriedigenden Welt- und Lebensanschauung. Er war sich bewußt, daß er als Priester des lebendigen Gottes die geschichtliche Ueberlieferung seiner Religion zur festgegründeten Ueberzeugung erheben und Lehre und Leben in volle,: Einklang bringen müsse. Seine Studierstube war ihm. ein Heiligtum. Man mußte ihn mit seinen Büchern leben sehen, mußte beobachten, wie sich der Ernst des Suchens und die Freude des Findens in seinem Angesichte widerspiegelten, um seinen Forscherdrang als den echt jüdischen Zug seines , Wesens zu würdigen. So bestätigte er die sinnige Deutung des altjüdischen Weisen: Es ist etwas Großes um die Erkenntnis, denn sie ist gewürdigt worden, zwischen den beiden Gottesnamen zu stehen, wie es in dem Dänkliede der Hanna heißt: „Ein Gott der Erkenntnis ist der Ewige, und von ihm werden die Taten .erwogen." - Mit freudiger Hingabe und mit heiligem Eifer spendete der Verklärte die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit seinen Schülern und Schülerinnen. Es waren seine schönsten Stunden, wenn er ihnen den- Ewigkeitsgehalt des Judentums darlegen, wenn er ihnen Nachweisen konnte, was es.der Welt an Kulturwerten gegeben hat und was es für die künftige Entwicklung der Menschheit noch zu leisten berufen ist. Die Religion sollte ihnen eine Lebensmacht, werden, sie zu rechtschaffenem Wandel, zu treuer Pflichterfüllung anleiten und ihr Vertrauen auf die weltüberwindende Macht des Guten befestigen. Er hatte die Freude zu sehen, wie willig sie die religiöse