Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 64 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3126481-3126607-3126610--2689-3129552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

64 Rundschau: lieber die jüdische Reformbewegung in London der R. II. im Londoner Ostend eröffnet und unter Leitung von Harry S. Lewis wurde längere Zeit auch dort Gottesdienst abgehalten. Um mit dem liberalen Judentum anderer Länder in Fühlung zu kommen wurde im Jahre 1908 eine große Versammlung veranstaltet, auf welcher Rabbiner Dr. Caesar Seligmann aus Frankfurt am Main und Rabbiner Louis Germain Levy aus Paris von den Fortschritten des liberalen Judentums in ihrer Heimat erzählten. Amerikanische Rabbiner besuchten England und wurden eingeladen zu predigen. Dr. St. Wise vor allem leistete wertvolle Hilfe. Es wurde beschlossen, eine eigene Synagoge zu gründen, selbst aus' die Gefahr des Rücktritts einiger hervorragender Mitglieder, die mehr noch den Namen als die Tatsache des Schisma fürchteten. So entstand die Liberal Jewish Synagogue in Hill Street, Dorset Sqre, die im Februar 1911 eingeweiht wurde. Der Gottesdienst ist zum größten Teil gleich deM älteren; die einschneidenste Aenderung ist die neu eingeführte Vorlesung eines kurzen Thoraabschnitts auf Hebräisch. Ein weiteres Jahr noch wurde "der Gottesdienst freiwillig von Laienpredigern versehen. Daß dies über neun Jahre möglich war, ist eine Großtatz die von der Hingebung und Begeisterung zeugt, die die gute Sache und ihre Führer hervorgerufen haben. Endlich war die Gemeinde so glücklich, . sich in ihrem ersten Rabbiner J. J.. Mattuek eine Führer - Persönlichkeit sichern zu können, dessen Beredsamkeit und persönliche Eigenschaften eine immer mehr zunehmende Zahl von Anhängern gewonnen und erhalten haben. Die Zahl der Synagogenmitglieder beträgt ungefähr 860, die 360 Familien angehören. Die durchschnittliche Zunahme der Mitglieder während der letzten 2—3 Jahre beträgt ungefähr 80 im Jahr. Die Synagogenplätze genügen nicht mehr für die Gemeinde, so daß während der letzten fünf. Jahre an den Hohen Feiertagen und am ersten Pesachtage ein zweiter Gottesdienst in einem großen Saal abgehalten werden mußte. Das Einkommen der Synagoge betrug im letzten Jahre L 3334, ausschließlich der besonderen Zuwendungen für bestimmte Zwecke. . Der Hauptgottesdienst -findet am Sabbat Nachmittag statt» um diejenigen, die am Samstag Vormittag beruflich arbeiten müssen, den Besuch des Gottesdienstes zu ermöglichen. Die englischen Gebete sind größtenteils Uebersetzungen der herkömmlichen Gebete mit Hinzufügungen und Auslassungen. Nur solche Stücke, wie Schema und Kaddiseh werden in der Ursprache vorgelesen. Die Thoravorlesung wird vom Rabbiner übersetzt und erklärt, die Propheten werden auf Englische verlesen. Das Predigen und Vorlesen geschieht meistens durch den Rabbiner und den Präsidenten (Claude G. Montefiore); ab und zu aber predigen auch andere — auch Frauen -- und beten vor. Von den Funktionären (außer den Frauen) werden Kopfbedeckung und Tallis getragen. Der Gemeinde selbst steht es frei» es darin zu halten, wie sie will. Männer und Frauen sitzen zusammen. Am Sabbat Vormittag findet ein Iugendgottesdienst statt, an dem sich auch Erwachsene zahlreich beteiligen. Der Gottesdienst ist einfacher und kürzer, die Predigt dem Verständnis der Jugend angepaßt. Die Synagoge hat eine Orgel und beim Morgengottesdienst einen freiwilligen Chor, während beim Nachmittagsgottesdienst der Chor aus Sängern von Beruf besteht. Einen Sonntagsgottesdienst hat die J. R. II. einzuführen versucht, um zu sehen, wie weit ein Bedürfnis dazu in der Gemeinde vorhanden ist. 2n der Synagoge werden Trauungen im Beisein des Standesbeamten vollzogen, sodaß der bürgerliche und religiöse Trauakt zusammenfällt. Die Synagoge hat einen-eigenen Friedhof, dicht neben, den anderen Friedhöfen. Verbrennungen werden durch das .Beerdigungspersonal vollzogen. Die Synagoge ist die einzige in England, die ein Columbarium hat. Einen wichtigen Platz in der Organisation der Gemeinde nimmt der Religionsunterricht und die soziale Tätigkeit ein; für beides setzt. Rabbiner Mattuck seine ganze Kraft ein. Die Gemeinschaft gibt seit 1914 auch eine Monatsschrift heraus unter dem Titel „The Jewish Religious Union Bulletin“. So blüht ein reges, frisches Leben in der Gemeinde, das zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft des liberalen englischen Judentums berechtigt. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstratze 22. Für die Schriftleitung und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt L Gleiber, Frankfurt a. M., BiÄer-Gaffe 6.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.