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Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 62

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 62 (sequence 22)
Language
German
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62 Rundschau: Berlin lismus und Materialismus erkannt hat, welche die Voraussetzungen jener Theorie bilden müssen,- religiös endlich, weil von vornherein eine Menschengruppe ausgeschlossen ist von der Erlösung, der Heilsgemeinschaft aller Menschen, die erste Voraussetzung und letztes Ziel jeder unheidnischen Religion ist. Das Buch ist überzeugend und gehaltvoll^ keine Gelegenheitsschrift nur, sondern von bleibendem Wert. Nicht nur in jüdischen, vor allem in christlichen Kreisen sollte es die weite Verbreitung finden, die ihm seiner ethischen und wissenschaftlichen Bedeutung nach zukommt. Dr. Selig mann. kuncllcbau. Berlin. 3n einer Versammlung des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde", Bezirksgruppe Charlottenburg, wurde das Thema „Wie erziehen wir unsere Kinder zu liberalen Juden" von den Herren Zahnarzt Lipschitz und Justizrat Plonsker behandelt. Herr L. erinnerte daran, daß vor 30 Jahren in Berlin 2 Religionsschulen bestanden, aber auch diese nicht einmal voll besucht waren. Allmählich erst regte sich das religiöse Leben wieder mehr. Der Centralverein und der liberale Verein, welche neugegründet waren, versuchten das ihrige dazu zu tun, aber besser als ihnen gelang es den Zionisten die Jugend an sich zu ziehen, und zwar durch Vorggukelung phantastischer Ziele. Die Liberalen gingen zu spät daran, Jugendvereine zu gründen. Für die Frage, wie wir unsere Kinder zu liberalen Juden erziehen sollen, sei es zunächst erforderlich, sich, darüber klar zu werden, daß die Begriffe „liberal" und „indifferent" nicht etwa gleichbedeutend sind, wie es die Orthodoxen hinzustellen suchen. Die Orthodoxie fasse die 5 Bücher Moses als göttliche Offenbarung, die Bibel und die späteren Schriften bis zum Schulchan Aruch als göttliche Vorschriften auf, welche von A bis Z gehalten werden müßten. Der Liberalismus halte die Bibel für Menschenwerk, was un Satzungen in ihr enthalten sei, sei von Menschen geschaffen, wenn auch Göttliches sich in ihnen offenbare. Das Gesetz der Entwicklung dürfe auch vor religiösen Anschauungen nicht Halt machen, nur was die Vernunft des Menschen nach reiflicher Prüfung als richtig anerkenne, dürfe heute für uns maßgebend sein, Leben und Lehre müßten in Einklang gebracht werden. Der Entwicklungsgedanke sei übrigens nichts neues, er gehe schon bis auf Esra zurück. Die Liberalen müßten aber zeigen, daß sie auch positive Ziele haben. Zu dem, was sich mit der Vernunft in Einklang bringen lasse, gehöre in erster Reihe die Heilighaltung des Sabbats, zum mindesten des Freitagabends und der Festtage: das Chanuckafest und nicht das Weihnachtsfest sollten gefeiert werden. Jeder jüdische Knabe und jedes jüdische Mädchen müsse eingesegnet werden, fast noch wichtiger als die Einsegnung selbst sei aber die ein- bis zweijährige Vorbereitung hierzu. Der Religionsunterricht müsse verbessert werden, man.müsse die Stelle eines Religionsschulinspektors schaffen. Die Jugend müsse den Gottesdienst, besonders am Freitagabend, in den Ferien auch am Sabbat mehr besuchen, der Gottesdienst müsse aber liberal ausgestaltet werden, mehr deutsche Gebete müßten -eingeführt werden, Die jüdischen Lesehallen sollten eifriger benutzt werden. Die Jugendvereine sollten den Grundstock des Liberalismus bilden. Der zweite Referent, Herr Justizrat Plonsker, erklärte die Erziehung der Jugend zum Liberalismus für dessen Hauptaufgabe. Der Berliner Jli stehe zwar nicht an Zahl,, wohl nach Art seiner Betätigung auf der Höhe, er fördere das Verständnis für das religiöse Leben und den Liberalismus. Dem Referenten habe so etwas in seiner Jugend gefehlt. Das Schwergewicht der Erziehung liege in religiösen ebenso wie in anderen Dingen, im Hause, die Kinder sollten dort mit Liebe zu den alten Einrichtungen erfüllt werden. Der Liberalismus fordere von der Jugend Kampf gegen Gleichgültigkeit und Taufe, er wolle nicht zerstören, sondern aufbauen auf der Grundlage, die er als richtig erkannt habe. Die Erziehung zum liberalen Juden sei aber nicht mir Aufgabe des Hauses und der Laien» sondern auch der Rabbiner und Kehrer, welche die Jugend mit den Idealen des religiösen Liberalismus erfüllen sollten. An die Vorträge schloß sich eine lebhafte Diskussion. Besonders eindrucksvoll' waren die Worte des Herrn Rabbiner Dr. Hochfeld: Die

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