Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 60 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3126481-3126607-3126610--2685-3129548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

60 Dr. Franz Rosenzweig: Der Stern der Erlösung,^ bespr. von Dr. Seligmann unsere Stellung schaffen, wir wollen unser Recht uns erkämpfen. Zu diesem Zweck find wir an der Arbeit. - Alles Recht in der Welt ist erkämpft worden und ist Niemandem mühelos in den Schoß gefallen^ Nicht unser Interesse, nicht unser Ehrgeiz, sondern der moralische Schmerz über offenkundiges Unrecht, über ein Unrecht, das man mehr der Gemeinde als uns selbst antut, treibt uns an. Der Widerstand gegen das _ Unrecht, unserer gesetzlichen Stellung ist unsere Pflicht im Interesse der Gemeinde und ist ein Gebot moralischer Selbstachtung. Maßvoll aber nachhaltig, in Formen, die unseres Standes würdig sind, aber mit unbeugsamer Entschlossenheit werden wir um unsere Stellung kämpfen, bis die unserer selbgestellten verantwortungsreichen, pflichtenschweren Ausgabe entsprechende und von ihr untrennbare rechtliche Stellung uns erstritten ist'. Der ätern der krläfung.*) In jeder Generation macht sich die Menschheit aufs neue daran, das Rätsel des Daseins zu lösen. Aber bis jetzt hat die Sphinx noch jeden verschlungen, der das große Rätsel zu lösen unternommen hatte. So scheint jeder neue Versuch, dem All sein Geheimnis entreißen zu wollen, von vornherein zur Aussichtslosigkeit verdammt zu sein, und es gehört ein bergeversetzender Glaube dazu, wenn es heute einer unternimmt, wieder einmal das All des Schleiers zu berauben. Diesen bergeversetzenden Glauben besitzt der Verfasser des Buches: „Der Stern der Erlösung." Es ist ein einzigartiges, tiefgründiges, unausschöpfbar reiches Buch, dasvor unserem Auge einen Bau von wunderbarer Geschlossenheit und erhabener GrHe aufrichtet. Auf neuen Wegen wandeln die hohen Gedanken Franz Rosenzweigs. Die bisherigen Wege der Philosophie, so ist seine Meinung, konnten nicht zur Wahrheit führen, weil sie in dreifachem Irrwahn befangen waren. Man glaubte voraussetzungslos zu sein und war doch voll schwerwiegender unbewußter Voraussetzungen. Man glaubte, Gott, Welt und Mensch aus einem einheitlichen Prinzip erklären zu müssen und sah nicht, daß diese Einheit der Tatsächlichkeit zuwiderläuft. Man glaubte, erst dann etwas als wirklich annehmen zu dürfen, wenn es den Beweis seiner Wirklichkeit erbracht habe, während doch die . Wirklichkeit unbeweisbar ist. Die Gewißheit von Gott, Welt und Mensch ist für Rosenzweig undiskutierbar. Die Wissenschaft dient für ihn nur dazu, unfern Glauben an diese *) Von Franz Rosenzweig. Verlag I. Kaustmann, Frankfurt a. M. 1921. — 8° 532 Seiten. — Preis 58 Mk. und 50% Verlagsteuerungszuschlag. Dreiheit aufzubauen. Und nicht nur in ihrer. Gesamtheit, sondern auch jedes für sich genommen, sind sie vom Verstand nicht zu erfassen. Nur auf ihr im Dinglichen ruhendes erstreckt sich der Erkenntnisbereich des Rationalenwas jenseits dessen liegt: das Werdende, Wirkende, Lebendige, Tathafte, das zusammen mit dem Dinglichen erst die Wirklichkeit bildet, kann nicht verstandesmäßig erfaßt, werden. So wird die Bahn frei zueinem neuen Aufbau,- auf den Trümmern der rationalen Theologie, Ethik und Logik erhebt sich der Neubau der Meta-Physik, Meta- Ethik und Meta-Logik. " . Nun aber kehrt der Verächter des Rationalismus zu dem Verstoßenen zurück, um mit seiner Hilfe aus dem Nichts den ganzen Reichtum und die Fülle des Alls aufzubauen. Es ist eine gewaltige Synthese, durch die der Bau der Wirklichkeit aus ihren drei Urelementen Gott, Welt und Mensch von der Schöpfung über die Offenbarung zur Erlösung sich vor dem nur mühsam folgenden Geiste vollzieht, und es ist ein intellektuelles Erlebnis, wie alles sich zum Ganzen webt, eins in dem andern wirkt und lebt, wie alle großen geschichtlichen Erscheinungen und philosophischen Sy? steme, wie Natur und Kunst mit unvergleichlicher Dialektik und staunenswerter Beherrschung des umfassenden Stoffes eingereiht werden in das lückenlose Systems Und wie der „Sprache" eine geradezu mystische Macht in diesem Buche zugeschrieben wird als Deuterin der Wirklichkeit, so ist Rosenzweig selber ein unvergleichlicher Meister der Sprache, ein Wissender, der um die Geheimnisse der Geburt jebe§ Wortes weiß und seine tiefsten Gedanken dem Nach-Denken nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.