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Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 56

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 56 (sequence 16)
Language
German
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56 Dr. Seligmann-Frankf. a. M.: Aufgabe und Stellung des Rabbiners in der Gemeinde SS Höchsten soll uns nicht bange machen um die Zukunft des Judentums. Gilt es nicht uns, das tröstliche, ermutigende, hinreißende Wort des Propheten? „Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, und Ieschurun, den ich erwählt habe. Wie ich Wasser ausgieße über dürstendes Land und labendes Naß über das Trockene, so gieße ich meinen Geist über deine Nachkommen und meinen Segen über deine Sprößlinge. Der wird sprechen: „Des 'Ewigen bin ich" und der wird sich nennen mit dem Namen Jakobs, ein dritter wird seine Hand dem Ewigen weihen und des Namens Israel sich rühmen." Aufgabe und Stellung des Rabbiners in der Gemeinde. Referat auf der Versammlung des Allgemeinen Rabbinerverbands zu Frankfurt von Dr. Seligmann. Im Jahre 1841 wurde vom Kulturverein in Berlin als Preisausgabe das Thema gestellt: „Was war, was ist und was soll der Rabbiner sein"? Die Wahl dieses Themas wurde damit begründet, daß. die Beantwortung dieser Frage für Wissenschaft und Leben gleich ersprießlich, daß aber die Bedeutung, Stellung und Wirksamkeit der Rabbiner einer wissenschaftlichen Bearbeitung noch sehr bedürftig sei. Als geistliche Führer der Gemeinden bilden die Rabbiner — so heißt es weiter — ein bedeutendes Moment in den Bewegungen, die im Schoße der Gemeinden und auf dem Gebiete der theologischen Literatur sich kund getan; ihre Befugnisse beschäftigen die Behörden, ihre Wirksamkeit das Interesse der Gemeinde. Und doch ist nichts so schwankend, als die Meinung über Bedeutung und Wirkungskreis der Rabbiner, als die Ansicht von den gegenwärtig an dieselben zu machenden Anforderungen. Ist demnach eine klare Einsicht in das Wesen des Rabbinertums in unserer Zeit höchst wichtig, so kann solche, nur wissenschaftlich und zwar auf geschichtlichem Wege erlangt werden; erst wenn wir erfahren, woher diese Institution stammt, wie sie sich entwickelt hat, was sie in den früheren Zeiten gewesen, in welchem Verhältnisse sie zu den Bedürfnissen und der Verfassung der Gemeinde gestanden, erst dann erhalten wir das Verständnis von dem, was heute geschieht, und erkennen das Recht und das Rechte für unsere Zeit. Es wird eine aus Quellenstudium hervorgegangene wissenschaftliche Darstellung verlangt über Ursprung und Fortgang der Rabbiner-Institution; über die religiöse Bedeutung der Rabbiner und ihre Stellung zu Gemeinde und Vorstand; über ihre Amtstätigkeit als Kommunalbeamte, Richter, Geistliche, Lehrer und Prediger; ihre Vorbildung, Qualifikation, Erwählung, Anstellung, Einkünfte und Gerechtsame; endlich ihre Wirksamkeit und ihren Einfluß. Diese hochinteressante Preisaufgabe, deren Entwurf von Zunz herrührt, ist bis zum heutigen Tage noch ungelöst. Kein Geringerer als Leopold Löw unternahm es im Jahre 1864 — nach Verlauf von 23 Jahren — die Frage in umfassender Weise zu bearbeiten. Seine Arbeit aber blieb ein Torso; sie reicht nur bis zum Beginn der hasmonäischen Zeit. Viel wertvolles Material aus Leopold Löw's Nachlaß veröffentlichte sein Sohn Immanuel Löw im fünften Band der gesammelten Schriften. In größeren oder kleineren Abhandlungen äußerte sich zu unserer Frage in bemerkenswerter Weise vor allem Zacharias Frankel in seiner Zeitschrift 1843 unter dem Titel: „Die amtliche Stellung der Rabbiner in der Gegenwart mit besonderer Beziehung auf den von dem Berliner Vorstande dem Ministerium vorgelegten Verfassungsentwurf." Ferner — etwa 10 Jahre später — der Lehrer am italienischen Nabdinerinstitut Lelio Deila Torre anläßlich der erstmalig wieder vollzogenen feierlichen Semicha, die seit dem 5. Jahrhundert nicht mehr stattgefunden hatte, in^ einer bedeutsamen Reds : il Rabbino e i Rabbini; in neuerer Zeit Leopold Auerbach (1890) in „Das Judentum und seine Bekenner." (S. 427—439). Insbesondere seit der Begründung und Rekonstruktion unseres Rabbinerverbandes wurde unsere Frage fast auf jeder Tagung diskutiert. Auf der Generalversammlung des Rabbinerverbandes zu Berlin 1898 referierten Cohn-Kattowitz, Kopfstein-Beuthen und Werner-München in eingehender Weise über „die Stellung des Rabbiners in Deutschland." Aus

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