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Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 54

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 54 (sequence 14)
Language
German
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54 Rabbiner Dr. Salzberger-Ffm.: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judentum „o brücken selber predigt: Du sollst dich, freuen vor dem Ewigen, deinem Gotte, du, dein Sohn und deine Tochter. . ." Ja das „diemet dem Ewigen in Freude!" dürfte eine dem Judentum allein eigentümliche Forderung sein. Was Otto Ernst einmal vom Unterricht sagt, daß eine Stunde verloren sei, in der die Kinder nicht mindestens einmal von Herzen gelacht haben, wendet einer unsrer englischen Kollegen, Singer, in einem Band Kinderpredigten mit vollem Recht auch aus die Predigt des Iugendgottesdienstes an. Durch ein heiteres Wort von der Kanzel machen wir der jugendlichen Gemeinde Predigt und Gotteshaus trauter und nehmen ihnen die leicht drückende Feierlichkeit. Denn Freude ist die Atmosphäre, in der die Kinderseele am gesundesten atmet. Darum sollten wir alle frohen Gelegenheiten, die uns unsre Religion bietet, für unsre Kinder ausschöpfen. Ganz von selbst versteht sich das ckom Freitag Abend und . vom Sederabend; wo Kinder sie entbehren, müssen wir dafür sorgen, daß sie in unserm Hause oder im Haus von Freunden sie feiern. In die Laubhütte, die sie am besten selber aufrichten und ausschmücken helfen, müssen wir sie laden. Zu Simchas Thora mögen sie mit Fähnlein hinter den ehrwürdigen Rollen einherziehen und Süßigkeiten ernten, wie es im Osten Brauch ist,- zu Chanukka und Purim sollen sie durch besondere fröhliche Iugendfeiern, hinter denen doch sichtbar, hörbar die ernste Bedeutung des Tages steht, die liebenswerte Schönheit unsres Väterglaubens auf ihre Weise erleben, wobei Geschenke für sie und Gaben für die Armen natürlich nicht fehlen dürfen. Und wieder heißt es: nicht passives Hinnehmen, sondern aktive Teilnahme. Es genügt nicht, daß bei unsern Iugendgottesdiensten Knaben zur Thora gerufen werden. Dem Geiste des jüdischen Gottesdienstes folgend, der den Unterschied von Priestern und Laien nicht kennt, sollten wir Knaben in geeigneter Auswahl auch zum Amt des Vorbeters, des Dirigenten, selbst des Predigers heranziehen und vorbilden, sodaß der gesamte Kultus, einschließlich des Chores, in der Hand der Jugend liegt. Die „Konfirmation" hat sich leider noch immer nicht so eingebürgert wie es für die religiöse Heranbildung der weiblichen Jugend, aus der einmal jüdische Frauen und Mütter hervorgehen sollen, dringend zu wünschen wäre. Den einen ist sie zu liberal, den' anderen zu — konservativ! Es ist jedenfalls geboten, die Feier in Namen und Inhalt von ihrem christlichen Urbilde mehr und mehr zu entfernen, sie als Abschluß des Vorbereitungsunterrichtes zu betonen, der das Wesentliche an ihr ist, und sie der Barmizwafeier der Knaben, zu der sie ja — der veränderten Erziehung der Mädchen entsprechend — ein Gegenstück sein soll, nach Möglichkeit, anzupassen. Die. Barmizwafeier selbst wird wohl allenthalben in liberalen Synagogen heutzutage durch eine persönliche Ansprache des Rabbiners eindrucksvoller gestaltet als früher. Auch der schulentlassenen Jugend muß das Gotteshaus Gelegenheit zur religiösen Betätigung gewähren. Für die im Berufsleben stehenden jungen Leute empfehlen sich zweite Gottesdienste am Freitag Abend oder Mincha-Gottesdienste am Sabbat Nachmittag mit belehrenden Vorträgen. Wir knüpfen auch damit an gute alte Tradition ' an, der die Synagoge die „Schul'" bedeutete. Aber zugleich ist die Synagoge doch wie der Name sagt nichts anderes als des hakenesses, das Versammlungshaus der G e - meinde. Unsere Alten haben nur eine religiöse Organisation gekannt, das eben war die Gemeinde. Jedes jüdische Kind sollte darum zeitig lernen sich als Kind seiner Gemeinde anzusehn. Das geschieht gefühlsmäßig am ersten in der Synagoge, muß aber auch durch Anleitung in sein denkendes Bewußtsein gehoben werden. Hierzu ist erforderlich, daß es mit Wesen und Art dieser Gemeinde, mit dem Gemeindehaus in weitestem Sinn, bekannt gemacht wird. Wie in den Lehrplan der Schulen eine Staatsbürgerkunde als ob- . ligatorisches Fach ausgenommen wird, so muß für unsre jüdischen Schüler auch eine Gemeindekunde eingefuhrt werden, so nämlich, daß ihnen theoretisch und praktisch Verfassung und Einrichtungen ihrer Gemeinde erklärt werden, daß sie persönlich hingeführt werden zum Gemeindebüro, zu 'den Wohlfahrts¬ und Wohltätigkeitsanstalten, zum Friedhof usw. Sie lernen dabei vom jüdischen Hause und der eigenen Familiengeschichte ausgehend, anschaulichst auch eine Art jüdischer Heimatkunde, insofern sie sich in Räume und Zeiten, in denen sich die Geschichte ihrer Gemeinde, ihre eigene Geschichte abspielt, hineinleben und spüren in der Heimat Deutschtum und Iu-

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