Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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H Rabbiner Dr. Salzberger-Ffrn.: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judentum 53 Referate und Vorträge von Schülern über religiöse oder allgemein-jüdische Themen, selbstgewählte oder vom Lehrer gestellte, hinzutreten. Sie sind der Aufmerksamkeit der Klasse gewiß und zwingen den einzelnen, sich, mit einer Materie eingehend zu befassen. Eine gemeinsame Besprechung des Vortrags durch Lehrer und Mitschüler macht die Religionsschule vollends zu einer Arbeitsschule, in der an die Stelle bloßen Rezipierens und Reproduzierens mit der Zeit gar — das ist unser höchstes Ziel — religiöse Produktivität unsrer Jugend tritt. Ob sie in und mit dem Schulunterricht allein erzielt wird, ist uns allerdings zweifelhaft. Aber mit diesem Unterricht wird der gewissenhafte Religionslehrer seine Pflicht auch nicht erfüllt glauben. Mehr als andere Lehrer wird er seinen Schülern Berater und Freund sein wollen. Er wird ihnen Gelegenheit zu freier Aussprache über alles, was sie bewegt, auch außerhalb der Schule geben, m „Bibelkränzchen" (der Name stammt aus christlichen Kreisen und deckt sich nur zum Teil, mit dem was wir meinen) oder ähnlichen regelmäßigen Veranstaltungen. Er wird ihnen mit guten jüdischen Büchern an die Hand gehn. Eine jüdische Iugendbibliothek sollte jeder Lehrer oder doch jede Gemeinde bereit halten; sie ist heute leider noch sehr dürftig bestellt, immerhin sind die Zeiten vorüber, wo man sich genierte als Barmizwageschenk ein jüdisches Buch zu überreichen, weil dieses in Druck und Ausstattung jedem ästhetischen Gefühl hohnsprach. Auch hier ist noch viel zu schaffen, bis jüdische Bücher auch in dir liberalsten Häuser einziehn. Ganz besondere Sorge wird der Lehrer der religiösen Weiterbildung der Schulentlassenen zuwenden; Fortbildungskurse sollen die Lücken des Wissens ausfüllen und die religiös-sittliche Weltanschauung oder doch Lebensauffassung, zu der Haus und Schule den Grund legen,-allmählich abrunden. Ein Gegenstand, dessen allgemeine Einführung in den Lehrplan des Religionsunterrichts wünschenswert wäre, hat noch keine Erwähnung gefunden: liturgischer Gesang. Wünschenswert, denn wie Schule und Elternhaus, so können Schule und Gotteshaus nicht eng genug mit einander verknüpft werden. Unsre Jugend dem Gotteshaus zurückzugewinnen ist eine Aufgabe, deren Lösung sich mehr äußere als innere Hemmungen entgegenstellen. Schüler und Schülerinnen paritätischer Schulen sind mit Ausnahme dev Feiertage nur selten in der Lage das Gotteshaus aufzusuchen. Je seltener sie aber dazu in der Lage sind, desto seltener werden sie die sich bietende Gelegenheit benutzen, denn wie in allem Sittlichen und Religiösen führt auch hier nur Gewöhnung zum Ziel. Das Ziel ist, unsre Jugend mit dem Gottesdienst der Gemeinde, der sie angehört, frühzeitig vertraut zu machen. Als Weg zum Ziel aber werden wir besonderer für die Jugend zugeschnittener Gottesdienste nicht entraten können. Es empfiehlt sich eben darum diese Iugendgottesdienste nicht ein für allemal auf den Sabbat Nachmittag festzulegen (wie das ziemlich allgemein üblich), sondern auch am Freitag Abend und in 'den Ferien am Sabbat Vormittag abzuhalten. Wo wegen Raummangels die Jugend nicht oder nur teilweise an den Gemeindegottesdiensten der hohen Feiertage beteiligt werden kann, sind an diesen gleichfalls besondere Iugendgottesdienste, die natürlich auch von Eltern besucht werden können, zu veranstalten. Uebrigens ist von den Rabbinern und Lehrern darauf hinzuwirken, daß sämtliche jüdische Zöglinge von dem Recht der Befreiung vom Schulunterricht an den dafür bestimmten Festtagen Gebrauch machen und nicht minder, daß sie davon auchden rechten Gebrauch machen, nämlich wirklich den Gottesdienst besuchen. Ein Appell an die reifere Jugend, sich der Pflicht der Solidarität unter einander und der Verantwortung gegenüber ihrer jüdischen Gemeinschaft bewußt zu sein, gleichgültig wie der einzelne zur Religion ^'tehe, verfehlt selten seine Wirkung; die kleine Schuljugend kommt er- . fahrungsgemäß von selber gern zur Synagoge — wenn nicht vom Elternhause dem Widerstand entgegengesetzt wird. Iugendgottesdienst wird zum Iugendgottesdienst vor allem dadurch, daß der Prediger sich in seiner Predigt auf die Jugend, ihre äußere und innere Welt einstellt. Das ist manchem, sonst tüchtigen, Prediger nicht gegeben. Es sei davor gewarnt, die „Kinderpredigt" leicht zu nehmen. Hier gilt der Satz, daß für die Jugend das Beste grade gut genug ist. Wiederum soll sie nichts von fühlbarer Schwere an sich haben. Kinder wollen und sollen sich am Religiösen freuen; das ist doch sicherlich im Sinne einer Religion, die in den verschiedensten Aus-