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Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 47

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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Dr. Jacob-Dortmund: Schriftforschung und Erbauung an einer Probe 47 Weil er denn solchergestalt sich geweigert hat, von sich aus gewissermaßen die Wüste in ein gelobtes Land umzuwandeln,- darum soll er selbst nicht in das gelobte Land kommen. Der Bruder aber, und nur dort wird Ahron so genannt, wo er Moses Ehre teilen soll, muß auch sein Schicksal teilen. Er hat nicht wie er hätte tun sollen, den strengeren nachsichtiger gestimmt. Es ist die gleiche feurige Strenge des heiligen Gottes, der einst die beiden Söhne Ahrons zum Opfer gefallen waren. Ja, „mit seinen Frömmsten nimmt es Gott haarscharf"! durch seine Nahen will er geheiligt werden. Wir sehen hier auch, was es u. a. heißt: Gott ist heilig: er hält unfehlbar Wort. Daher nur in dieser Erzählung der sonst unerhörte und viel besagende Ausdruck: Gott. heiligen d. h. als den Heiligen beweisen. , Moses Verfehlung — es ist auch unsere eigene Sünde. Was uns in der Wüste des Lebens das Dasein verstört und zerstört, ist der Unglaube, nicht der Unglaube an Gottes Dasein, sondern der Kleinglaube, der Mangel an Glauben an Gottes unerschöpfliche Allmacht, an uns selbst und an die Menschen, an das Göttliche in uns und-andern. In Wahrheit ist jener. Klemglaube eigentlich ein zu starker Glaube, nur in falscher Richtung. Wir glauben, daß der Schöpfer sich mit der Schöpfung erschöpft habe. Wir haben kein Zutrauen in die Unerschöpflichkeit seiner Möglichkeiten. Wir glauben starr, daß das Daseiende unveränderlich bleiben müsse, was es einmal ist. Der Felsen ist ein Felsen und bleibt ein Felsen. - Deshalb kennen die Menschen, wenn sie .auf Felsen stoßen, insgemein nur zweierlei: mit ohnmächtigem Grimm auf sie zu schlagen oder sie klug zu umgehen. Man muß die Dinge, die Verhältnisse, die Menschen nehmen, wie "sie nun einmal sind, denn zu ändern sind sie nicht. Aber diese matte Klugheit führt nie aus der Wüste und tränkt keinen Dürstenden. Sie ist nichts anderes als der mangelnde Glaube an die schöpferische alles umzugestalten fähige Kraft in uns ~ selbst. Ihnen stehen die wahrhaften Gottgesandten gegenüber, die den Felsen, die Dinge, die Verhältnisse keineswegs für unabänderlich zu nehmen gemeint sind, sondern Gott und durch Gott sich selbst Zutrauen, den Felsen zu erweichen. Das sind die sieghaften Schöpfernaturen und Ueberwinder, die da sprechen: „wer bist denn du, großer Berg?", die Amgestalter, die Wunder tun, weil sie an die Wunderkraft Gottes in ihnen glauben. Diese Herolde der Anerschöpslichkeit des Schöpfers, von denen alles Neue und Große und für undenkbar Gehaltene ausgeht, sind es, die ihn „heiligen". Solcher Kraft-ein Teil hat Gott in jeden von uns gelegt. Du bist unzufrieden mit deinem Lose, du haderst, daß das Schicksal dich an „diesen schlechten Ort" gebracht hat, wo du keine Anregung, kein Verständnis, keinen Wirkungskreis findest, du lebestunter Steinen und Felsen, in einer Wüste. Wisse, du selbst machst sie zur Wüste, weil du nicht an dich, nicht an die Menschen glaubst. Du gleichst der Hagar in der Wüste, da sie mit ihrem Kinde zu verschmachten glaubte. Aber höre nur auf die Stimme von oben und öffne deine Augen, und überall werden dir Quellen sprudeln. Niemand lebt in einer Wüste, der unter Menschen lebt. Schon der Glaube, daß die Menschen keine Felsen sind, macht, daß sie es nicht mehr sind. Der Glaube an die Güte der andern macht sie gut. Er ist das Zaubermittel, das Wundes tut und Felsen erweicht, er ist ein Schöpfer. Denn „die Welt ist auf Liebe gegründet", d. h. tief zu unterst liegt,eine Liebesmacht, die von der Wünschelrute des Glaubens geweckt wird, daß sie ans Licht will, den Felsen sprengt und den Dürstenden tränkt. Nur solcher Glaube hat auf eine Zukunft zu rechnen, wer ihn hat; gehört zur wahren Gemeinde des Ewigen, des Gottes der gewissen Verheißung. In ein gelobtes Land kommt nur, wer daran glaubt. Nie aber wer sie für einen Trunk in der Gegenwart hingeben würde. — . Wenn aber damals Mose versagte, nun. wohl, so weilt jetzt unter uns ein anderer Gottgesandter, der ausgerüstet ist mit der Vollmacht, durch sein Wort, das von Gott stammt, Felsen zu erweichen — es ist dieser hochheilige Tag. Sein Schöpferwort heißt: Vergieb und, sprich : Vergieb! O, daß wir uns-ihm nicht versagten und von dem Felsen, der doch gehorchte, beschämen ließen^ daß wir auf den gläubigen Anruf des Bruders das Gute, den Segen hergeben, die auf dem Grunde auch unseres Wesens ruhen. Auch der Härteste ist geschaffen zu erquicken. Unser gelobtes Land hienieden ist der Glaube an den andern. .

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