Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Dr. Jacob-Dortmund: Schristforschung und Erbauung an einer Probe sie nennen sich selbst — was sie von dem Aufrührer und Verführer Korah gelernt haben — die „Gemeinde des Herrn", d. h. die Heiligen, und werfen damit Mose . verblümt und scheinheilig vor, daß er sich an Göttlichem vergreife. . 'So war eine Lage geschaffen, noch gefährlicher als jene. Denn sie nehmen Mose schon von vornherein seine einzige Waffe, Gott, aus der Hand. Auf dem Spiele steht die Zukunft Israels, denn kann es eine solche geben, wenn es sie selbst verwirft? Darum ist jetzt die Aufgabe Moses: er muß dem Aufrührern ihr Schlagwort entwinden und ihm erst den rechten Sinn verleihen, und er muß die Zukunft retten, indem er über die unbestrittene Not des Augenblicks hinweghilft und so, daß sie beschämt werden. Sie sollen sehen, daß Gott ein heiliger Gott ist, der hält was er zugesagt hat, und daß Mose sein Gesandter ist. Dazu soll mehr geschehen als das erste Mal, da das bittere Wasser auf natürliche Weise trinkbar gemacht wurde, mehr als das zweite Mal, da der Schlag des Stabes dem Felsen Wasser entlockte. Gott wird Mose mit der höchsten Machtvollkommenheit ausstatten, wie sie noch nie ein Mensch, auch Mose noch nie, gehabt hat. Alle Wunder nämlich, die Mose bisher im Aufträge Gottes zu vollbringen gehabt hatte, hatte er ausführen müssen, ohne ein Wort zu sprechen. Das grade hatte ihn von den Zauberern Aegyptens unterscheiden sollen, die sich zur Täuschung der Menschen den Anschein gaben, als ob ihr Wort und Zauberspruch ihre Wunder wirke. Jetzt aber soll er zum ersten und einzigen Male durch sein bloßes Wort dem Felsen befehlen, Wasser zu geben. Er stattet ihn also gradezu mit g ö t t - licher Schöpferkraft aus. Denn nur Gott „spricht und es wird, er gebietet und es ist da". Der Felsen soll ^sein" "Wasser geben, wie auf Gottes Geheiß Erde und Baum „ihre" Frucht. Nur noch der Stab, den er vor Gott, d. h. aus dem Heiligtum geholt hat, soll daran erinnern, daß er ein Beauftragter ist. Wenn Mose jetzt nicht versagt hätte! Es wäre die höchste' Heiligung Gottes gewesen. Er hätte gezeigt, was der Glaube, was der gleich Gott unwandelbar Gläubige vermag: die Not der Gegenwart zu überwinden und in der Wüste an ein gelobtes Land glauben zu machen. Er hätte gegen die „Gemeinde Gottes" den wahren Mann Gottes gesetzt. Aber ach, Mose versagt. Aus Unglauben an Israel, d. i. an sich selbst, d. i. an (Bott Er hat keinen Glauben an die den Unglauben anderer überwindende Kraft seines eigenen Glaubens. Er glaubt nicht, daß sie glauben werden. Das aber ist. Unglauben an Gott selbst. Denn er glaubt nicht wie stark- Gott im Schwachen sein kann. 2n unmittelbarem Verhältnis zu. Gott ist er — mit Abraham — der größte der Sterblichen, vor dem wir uns auf alle Fälle zu neigen haben. Keiner hat Gott so tief begriffen, keiner so fest an ihn geglaubt, keiner war von so reiner Gottesfurcht, und Gottesliebe durchdrungen, daher - keiner so hoch gewürdigt worden ist wie dieser Mann und Knecht Gottes. Ja fürwahr,' es ist kein Prophet aufgestanden wie Mose! Keiner hat auch sein Volk heißer geliebt. In früher Jugend hat den Pflegesohn der Königstochter die Not seiner Brüder ergriffen, die Sache der Unterdrückten hat er zu der seinigen gemacht, er hat für sein Volk gestritten, es wie ein treuer Hirt geleitet, es auf seinen Riesenschultern, an seinem Vaterherzen getragen undschließlich Gott sein eigenes Leben angeboten, um das Vernichtungsurteil von ihm abzuwenden. Aber dieser Liebe ist dennoch ein tiefes Mißtrauen beigemischt, ein Mißtrauen gegen ihre Unzulänglichkeit, das Mißtrauen der großen Seele gegen die kleinen. Das aber ist vor Gott, der da will, daß er an Israel, das er ttotz allem erwählt hat, glaube, seine Schwäche in seiner Größe. An Israel, auch des murrenden, guten Kern nicht glauben, ist Mangel des' Glaubens an Gott. Wie, du willst nicht glauben, wo Gott glaubt, d. h. weiß?. Auch die tiefste Menschenkenntnis sieht nicht so tief bis aus den letzten Herzensgrund wie Gottes Ratschluß. So hatte Mose schon am Dornbusch nicht geglaubt, daß sie glauben werden. So schrickt er auch in dieser verhängnisvollen Stunde davor zurück, die ihm von Gott eingehändigte Macht zu gebrauchen und ihn als den Heiligen zu erweisen. Ihrer d. h. seiner selbst nicht sicher schlägt er, schlägt er, wie um sich für ein Mißlingen den Weg. offen zu halten, zweimal auf den Felsen. Das Wasser strömt, denn dem Volke muß geholfen werden, aber die Absicht ist verdorben und Gottes Macht und Ruhm Abbruch geschehen-