Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 36 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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36 ' Mitgliederversammlung d. V. d. l. R. D.: Referat Freudenthal 2. Unsere Selbständigkeit gegenüber der Vereinigung für das liberale Judentum. 3. Die Notwendigkeit gemeinsamer Arbeit mit dieser Organisation zur Festigung der religiös liberalen Anschauungen; insbesondere -4. die Notwendigkeit wissenschaftlicher und populär wissenschaftlicher, theologischer Bearbeitung der Grundlagen des religiösen Liberalismus im Judentum. ' Wenn wir so arbeiten, wird unsere Vereinigung und wird der religiöse Liberalismus im deutschen Judentum fruchtbare und segensreiche Tätigkeit entfalten, nicht nur zum Wöhle des Liberalismus, sondern zum Bestendes deutschen Judentums. Ich empfehle Ihnen, den folgenden Thesen Ihre Zustimmung zu geben: 1. Die Vereinigung der liberalen Rabbirier Deutschlands stellt ausdrücklich ihre volle Selbständigkeit gegenüber der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland fest. 2. Die liberalen Rabbiner stellen gleichzeitig fest: a) die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens mit den liberalen Laien, b) die Notwendigkeit der Organisation der liberalen Elemente in deü einzelnen Gemeinden und in ganz Deutschland. 3. Die ^Aufgabe der liberalen Rabbiner in dieser Zusammenarbeit ist die Vertretung, Betonung und Vertiefung der positiv religiösen Momente im Judentum. 4. Zur Förderung des religiösen Lebens im liberalen Sinne sollten die liberalen Rabbiner,' wo es angängig ist, liberale Iugend- ' vereine begründen. 5. Wo dies nicht angängig ist, soll der liberale Rabbiner Arbeitsgruppen bilden,, in denen die Jugend in liberalem Sinn jüdischreligiös erzogen wird. „Aeber unsere Stellung zu den aktuellen Fragen der jüdischen Gegenwart" referierten Freu den thal - Nürnberg, G o l d m a n n - L e i p z i g und Kahlberg- Halle. Freudenthal: Der Kampf um die Richtlinien war die hauptsächlichste Gegenwartsfrage in den-letzten Jahren vor dem Krjege. Wie in früherer: ' Jahrhunderten der jüdischen Geschichte sind diese inneren Streitigkeiten durch schwere äußere Ereignisse in den Hintergrund gedrängt worden; der Weltkrieg, der Zusammenbruch des Vaterlandes, die Revolution mit.ihren Folgen haben den Interessen andere Richtung gegeben.. Das religiöse Gefühl wurde durch diese äußeren Geschehnisse starken Schwankungen nach der positiven wie nach der negativen Seite hin unterworfen, kehrt aber im allgemeinen wieder zur früheren Gleichgewichtslage zurück. Das jüdische Gefühl dagegen hat durch zwei starke Ausklänge des Krieges eine besondere Kräftigung erfahren: den Antisemitismus und den Zionismus. . Zur Bekämpfung des ersteren ist der liberale Rabbiner durch seine wissenschaftliche Schulung besonders befugt: nicht in Kampfversammlungen, für die sich nicht jeder eignet, sondern in vornehmen, wissenschaftlich fundierten Aufklärungsvorträgen, mit denen schon viele gute Erfolge erzielt wurden. Dem Zionismus gegenüber hat sich die- Stellung der meisten Rabbiner seit der ablehnenden Erklärung der Rabbinerversammlung des Jahres 1868 mannigfach geändert. Die Befürchtungen politischer und religiöser Art, aus denen heraus die damalige Erklärung entstand, sind freilich ganz eingetroffen. Dagegen „ müssen zwei neue günstige Momente anerkannt werden, die dam.als natürlich nicht voraüszusehen waren: Die durch den Zionismus geschaffene Stärkung des jüdischen — nicht des religiösen — Bewußtseins und die durch den Ausgang des Krieges geschaffene Lage im heiligen Lande. Beide Momente können gewürdigt werden, ohne daß es nötig ist, die grundsätzliche Stellung dem Zionismus gegenüber zu ändern. Der Zionismus geht gerade den Liberalen gegenüber mit dem Vorwurf um: er stelle sich nicht religiös, sondern politisch, und nicht jüdisch, sondern je nach den Aufenthaltsländern völkisch, ein. Der Vorwurf geht eigenartig von einer Bewegung aus, die selber vorwiegend politisch und völkisch orientiert ist. Ei^ trifft vielleicht die Reformer früherer Jahrzehnte und heutige liberale Laien', welche die Gemeindepolitik machen. Die heutigen liberalen Rabbiner fühlen sich nicht dadurch getroffen, am allerwenigsten diejenigen, welche auf dem Boden der Richtlinien stehen und gerade in den Richtlinien zum erstenmal die liberale Bewegung auf einen positiven und rein jüdischen Boden lenken wollten. Die Verschiebung des .Inhalts und der Tendenzen der Richtlinien durch ihre Gegner, auch durch die Zionisten, kam: